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Bader: “Wir stehen zu den Garantien”

08.03.2017 – guido_bader_stuttgarterDas Urteil des BGH, das es Bausparkassen erlaubt, Verträge zu kündigen, die nur als Sparverträge genutzt werden, hat heftige Diskussionen ausgelöst. Zugleich wurde die Frage gestellt, ob auch die durch die Niedrigzinsphase arg gebeutelten Lebensversicherer zu ähnlichen Maßnahmen greifen könnten. Guido Bader, Vorstand und Aktuar der Stuttgarter Lebensversicherung, kann das Urteil rein ökonomisch nachvollziehen.

VWheute: Was sagen Sie zum Urteil des Bundesgerichtshofs, dass die Kündigung von Bausparverträgen, die als Sparverträge genutzt werden, durch die Bausparkassen rechtens ist?

Guido Bader: Ich bin kein Jurist und kann die Rechtmäßigkeit des Urteils daher nicht einschätzen. Aus ökonomischer Sicht kann ich das Urteil allerdings nachvollziehen. Bausparprodukte sind keine reinen Sparkonten. Wenn die Produkte nicht zur Kreditaufnahme genutzt werden, wozu sie eigentlich gedacht sind, dann scheint es mir zumindest prinzipiell berechtigt, dass der Anbieter kündigen darf.

VWheute: Die Rechtslage bei Lebensversicherern ist eine andere. Sind Sie da als Lebensversicherer neidisch auf die Bausparkassen?

Guido Bader: Überhaupt nicht. Unsere Produkte sind überwiegend Sparprodukte, die der Altersvorsorge dienen. Ihr Sinn liegt darin, dass der Kunde bis zum Ablauf der Versicherung durchhält. Es liegt in der Natur der Sache, dass wir nicht kündigen dürfen, sondern zu den ausgesprochenen Garantien stehen. Natürlich ist das für uns im aktuellen Niedrigzinsumfeld herausfordernd. Aber dafür können unsere Kunden nichts.

VWheute: Einmal gegebene Garantieversprechen müssen für die gesamte Laufzeit eines Vertrages eingehalten werden. Halten Sie das angesichts niedrigster Zinsen noch für gerechtfertigt?

Guido Bader: Ja, das halte ich für gerechtfertigt. Wir haben die Garantien ausgesprochen, jetzt stehen wir auch dazu. Von unseren Kunden erwarten wir schließlich auch, dass sie ihren Beitrag zahlen. Wieso sollte für uns als Anbieter etwas anderes gelten?

VWheute: Rechtsprofessor Manfred Wandt hat in der Zeitschrift VersicherungsRecht dargelegt, dass durch das Versicherungsvertragsgesetz die Möglichkeiten einer Leistungsanpassung sehr beschränkt seien. Unterstützen Sie diese Auffassung?

Guido Bader: Das Versicherungsvertragsgesetz öffnet uns Versicherern definitiv nicht Tür und Tor zur Reduktion von Leistungen. Die dort genannten Auslöser, die eine Leistungskürzung rechtfertigen, sind sehr restriktiv. Die derzeitige Niedrigzinsphase, von der wir nicht wissen, wie lange sie noch anhält und in der die meisten Häuser noch umfangreiche Reserven haben, reicht als Auslöser für eine Leistungskürzung jedenfalls nicht.

VWheute: Wie stark ist die Stuttgarter noch durch Vier- und 3,5-Prozenter in der Lebensversicherung belastet, und wie sichern Sie die Garantien?

Guido Bader: Die Stuttgarter dürfte einer der Versicherer mit einem relativ großen Bestand an 3,5-Prozentern sein. Das klingt zwar erst mal erschreckend, ist es aber nicht. Diese Verträge haben nur noch kurze Restlaufzeiten, da sie schon lange im Bestand sind. Wir müssen die Garantien also nur noch wenige Jahre erbringen und dafür haben wir schon umfassend Zinszusatzreserve gestellt. Anders sieht es bei den 4-Prozentern aus. Da hat die Stuttgarter einen im Vergleich zum Markt sehr viel kleineren Bestand.

Diese Verträge schmerzen dann auch tatsächlich. Denn sie haben noch eine lange Restlaufzeit und auch die Zinszusatzreserve darf nur für jeweils die nächsten 15 Jahre gestellt werden, nicht bis zum Ende der Laufzeit. Und auch bei den weiteren kritischen Beständen mit Garantiezinsen von 3,25 Prozent und 2,75 Prozent sind wir unterdurchschnittlich, was unseren Marktanteil angeht. Daher sehen wir optimistisch in die Zukunft. Wir haben unsere Kapitalanlagen gut auf unsere Verpflichtungen und die Garantien abgestimmt. Auch unsere immer noch signifikanten Aktien- und Immobilienbestände weisen umfangreiche Reserven aus. Daher sind wir zuversichtlich, unsere Garantien auch zukünftig bedienen zu können.

VWheute: Wie reagiert Ihr Unternehmen auf die anhaltende Niedrigzinsphase?

Guido Bader: Neben den vorgenommenen Anpassungen in der Kapitalanlage und den Reserven für die bestehenden Kunden müssen wir in der Niedrigzinsphase vor allem an unsere neuen und künftigen Kunden denken. Wie können wir ihnen noch attraktive Altersvorsorgeprodukte bieten, mit der Chance auf auskömmliche Renten? Hier haben wir in den letzten Jahren sehr viel investiert und ein modernes, zukunftsorientiertes Produktportfolio geschaffen. Unser Hybridprodukt performance-safe und unsere Indexpolice index-safe gehören zu den besten Produkten im Markt. Sie bieten den Kunden nicht nur Sicherheit, sondern vor allem auch ausgewogene Chancen. Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit steht bei uns eben der Kunde im Mittelpunkt.

Das Interview führte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Bild: Guido Bader (Quelle: Stuttgarter)

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