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Alternative Investments: “Schiffsmarkt sehr wohl ein Thema”

10.07.2017 – Anselm Gehling_Dr. PetersStaatsanleihen bringen keine Rendite, Aktien sind volatil und Investments in Rohstoffe moralisch bedenklich. Wohin also mit dem Geld? Beispielsweise in Sachwerte. Gerade Versicherer entdecken die Anlageklasse (wieder). VWheute hat mit Anselm Gehling, CEO der Dr. Peters Group, einer Finanz- und Management Holding mit Fokus auf Sachwerte, ein Gespräch über lukrative Flugzeuge, verkannte Schiffe und Zinsen im Allgemeinen geführt.

VWheute: Wie entwickelt sich das Geschäft im Bereich Sachwertinvestments – insbesondere bei den Versicherungsunternehmen?

Anselm Gehling: Das Geschäft entwickelt sich sehr gut. Wir beobachten den Trend, dass sich institutionelle Investoren gerade aus Deutschland für Sachwertinvestments zunehmend interessieren und entsprechend auch engagieren. Das gilt auch für die Versicherungsbranche, deren Investmentprofis stets auf der Suche nach Anlagen mit konstanten Erträgen bei kalkulierbarem Risiko sind. Wir gehen davon aus, dass auch andere Anbieter die Situation gut einschätzen. In diese Richtung deuten beispielsweise die Ergebnisse einer Befragung von Black Rock, wonach rund 60 Prozent der institutionellen Investoren ihre Beteiligungen an Sachwerten aufstocken wollen.

VWheute: Sie schreiben, die Umsetzung regulatorischer Maßnahmen habe zu einem “berechtigten Vertrauensschub” in ihrer Branche geführt. War das nicht eher den niedrigen Zinsen geschuldet?

Anselm Gehling: Die regulatorischen Maßnahmen waren sinnvoll und gut. Sie haben für viele Investmentverantwortliche den Weg freigemacht, Sachwertinvestments in ihre Portfolios aufzunehmen. Und natürlich schafft Regulierung auch Vertrauen. Die niedrigen Zinsen haben ein Umdenken der Investoren bewirkt, das auch in den kommenden Jahren Bestand haben wird.

VWheute: Zurück zu den Versicherern: In was investieren die als konservativ verschrienen Versicherer, in den Klassiker Immobilien oder auch in Flugzeuge – der Schiffsmarkt scheint ja derzeit eher ungeeignet.

Anselm Gehling: Der Schiffsmarkt ist für internationale, institutionelle Investoren sehr wohl ein Thema, denn gerade antizyklisch agierende Investoren interessieren sich zunehmend für Schiffsfonds. Sie wissen, dass hier eine Erholung der Branche erkennbar ist, insbesondere bei Tankern. Bevorzugte Investments sind nach wie vor Immobilien. Wir stellen bei uns als Marktführer für Flugzeugfonds bereits seit Jahren ein großes Interesse der Investoren fest. Und das nicht nur von Investoren aus Deutschland, sondern auch aus Großbritannien.

VWheute: Warum eignen sich Sachwertinvestments für Versicherer als Kapitalanlage und was spricht dagegen?

Anselm Gehling: Ein klarer Vorteil ist deren Unabhängigkeit vom Zinsniveau sowie die langfristige und planbare Kalkulation von Cash Flows. Allein die Dr. Peters Group ist mit 87 Schiffen, 19 Flugzeugen und 52 Immobilienprojekten direkt in der Realwirtschaft investiert. Diese Investitionen in einem Gesamtvolumen von rund 7,4 Milliarden Euro sind nicht an die Leitzinsentwicklung gebunden wie etwa Aktien oder Anleihen. Gegen Sachwerteinvestments spricht eigentlich nichts, sofern die Asset Manager der Versicherer sich möglichen Risiken bewusst sind. Wer wenig Erfahrung hat, den beraten wir gerne offen und kompetent. Kundenorientierung und gute, lange Geschäftsbeziehungen sind für uns erklärte Ziele.

VWheute: Was erwarten sie bei Sachwertinvestments in den nächsten drei Jahren für eine Entwicklung?

Anselm Gehling: Wir investieren gezielt in den institutionellen Vertrieb. Versicherer – ebenso wie andere institutionelle Investoren – geraten in einen immer stärkeren Entscheidungsdruck, wie sie die Niedrigzinsphase aussitzen beziehungsweise das Depot umschichten sollen. Letzteres sehen wir in zunehmendem Maße. Daher werden Sachwertinvestments auf breiter Linie nachgefragt. Wir beobachten dies seit Jahren schon bei Immobilien – in Zukunft verstärkt auch bei Flugzeugen und Schiffen.

VWheute: Ihre Investments – beispielsweise ein Flugzeug – sind ja mittels Versicherung geschützt, nach welchen Kriterien suchen sie sich ihren Versicherer aus oder haben sie einen langjährigen Partner?

Anselm Gehling: Alle Schiffe unserer Flotte sind im marktüblichen Umfang gegen diverse Risiken versichert. Der Abschluss dieser Versicherungen obliegt dem technischen Manager der Schiffe und ist in den Schiffsbetriebskosten enthalten. Hierbei wird der Fokus auf Kontinuität und eine langfristige Zusammenarbeit zwischen dem Manager, dem Versicherungsmakler und der Versicherung gelegt.

Im Bereich Aviation sind für uns zwei Versicherungsarten relevant. Zum einen die Objektversicherung, zum anderen die Haftpflichtversicherung. Rein vertraglich sind die Leasingnehmer der Flugzeuge verpflichtet diese abzuschießen und die Prämien zu bezahlen. Sie tun dies im Rahmen einer Flottenversicherung für ihre gesamte Flugzeugflotte. Die Mindestanforderungen an die jeweilige Police sind im Leasingvertrag festgelegt.

Bei Immobilien arbeiten wir mit Versicherungsmaklern, die ihre Kernkompetenz in für Versicherung in der Immobilienwirtschaft haben, so dass eine weitgehend objektive Beratung und Prüfung des erforderlichen Versicherungsschutzes gewährleistet ist. Innerhalb der Immobilienwirtschaft haben sich einige Makler auf spezielle Assetklassen, wie zum Beispiel Hotelimmobilien spezialisiert, die in der Regel hierfür spezielle Versicherungskonzepte mit großen Versicherern ausgearbeitet haben. Das Interesse eines ausreichenden Versicherungsschutzes liegt nicht nur beim Eigentümer, sondern insbesondere bei den finanzierenden Banken sowie letztendlich auch beim Mieter. Es gibt eine langjährige gute Zusammenarbeit mit bestehenden Versicherungspartnern, die sich durch kurze unbürokratische Wege, schnelle Reaktionszeiten, Fachkompetenz, Kulanz des Versicherers oder konkrete Ansprechpartner (keine Service-Nummern) auszeichnet. (vwh/mv)

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz

Bild: Anselm Gehling (Quelle: Dr. Peters)

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