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AIG setzt auf vollständig digitale Gewerbesparte

02.10.2017 – andreas_krause_aigDie Deutschland-Tochter des US-Versicherers AIG will ihre Gewerbesparte künftig vollständig digitalisieren. Dazu hat der Versicherer web-basierte Partnershops platziert, mit denen die Vermittler künftig neben der privaten auch die Prämien für die Gewerbeversicherung berechnen. VWheute sprach darüber mit dem Projektverantwortlichen Andreas Krause.

VWheute: AIG will die Gewerbeversicherung “konsequent” digitalisieren. Was verstehen Sie darunter genau? Skizzieren Sie doch bitte die wichtigsten Maßnahmen dazu.

Andreas Krause: Die Einführung der BiPRO-Normen im deutschen Markt hat den Grundstein für die Digitalisierung der Prozesslandschaft zwischen Vermittler und Versicherer gelegt. Diese gemeinsamen Normen ermöglichen es uns, Lösungen zu schaffen, die multiplen Marktteilnehmern zugänglich sind. Tatsächlich ist ein großer Anteil der Makler heute jedoch noch nicht auf BiPRO umgestiegen.

Wir haben nach einer Lösung gesucht, damit wir alle unsere Partner mit auf diese Reise nehmen können. Nicht jedes Maklerbüro hat die Ressourcen an einer eigenen BiPRO-Schnittstelle zu bauen, daher haben wir für unsere Kunden ohne BiPRO-fähige Systeme sogenannte AIG Partnershops gebaut, die es auch diesen ermöglicht, ihre Geschäftsbereiche zu digitalisieren.

Die Partnershops sind Webportale, die aus verschiedenen Produkt-Kalkulationstools – wir nennen sie “Microsites” – aufgebaut sind. Für den Makler ist es sehr bequem gestaltet, er muss sich nur einmal bei im Partnershop anmelden und hat dann dort auf alle unsere angebotenen Produkte Zugriff, er kann Produkte selbst rechnen und bei Gefallen Verträge auch sofort abschließen. So eröffnen wir den Maklern völlig neue Möglichkeiten, ihre Prozesse weiter zu optimieren, da Verwaltungsaufwand und Kosten sinken.

Aber wir stellen Maklern nicht nur die Partnershops zur Verfügung: wir haben gleichzeitig auch begonnen unser bestehendes Produktportfolio zu digitalisieren. Auch hierfür stellen wir den Maklern ein Webportal zur Verfügung, damit sie ihren Bestand verwaltungsarm auf den neuesten Stand bringen können und bei dem die künftigen Vertragsprozesse effizient und digital gestaltet sind.

VWheute: Seit rund zwei Monaten sind Sie mit neuen Webportalen auf dem Markt. Beschreiben Sie doch bitte, welchen Vorteil die Kunden davon haben und wie ist Ihre erste Bilanz?

Andreas Krause: Unsere erste Bilanz ist positiv, sowohl für unsere AIG Partnershops über die wir das Neugeschäft digital abwickeln, als auch für das Umstellungsportal, mit dem wir Maklern die Möglichkeit bieten, ihre analogen Bestandsverträge zu digitalisieren. Die Partnershops werden seit dem Launch von rund einem Viertel der Makler, die mit uns im Gewerbekundenbereich zusammenarbeiten, genutzt.

Vor etwa einem Monat haben wir zusätzlich begonnen, die vorhandenen Bestände analoger Produkte in die digitale Produktwelt zu überführen. Seit das Umstellungsportal Online ist, hat sich etwa ein Drittel unserer Bestandsmakler für die Umstellung der Verträge registriert.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Kunden erwarten von ihren Vermittlern zunehmend dieselbe Flexibilität und Bearbeitungsgeschwindigkeit wie sie sie vom Online-Handel gewohnt sind, ohne jedoch auf persönliche Beratung verzichten zu wollen. Demgegenüber stecken die Vermittler heute in aufwendigen Antragsprozessen fest, die ihnen die Zeit für gerade diese persönliche, kompetente Beratungsleistung nehmen. Unsere Webportale ermöglichen genau das- mehr Zeit für die Beratung der Kunden.

VWheute: AIG will nach eigenen Angaben dem Wunsch der Makler nachkommen, den Bestand so verwaltungsarm wie möglich verwalten zu können. Wie sieht dies konkret aus?

Andreas Krause: In der Vergangenheit ging es bei Gesprächen mit unseren Vertriebspartnern eher um Produkte und Produktinnovationen. Das hat sich klar geändert: Fokus unserer Gesprächspartner ist inzwischen viel eher, wie sie ihre Prozesse weiter optimieren können. Dabei geht es beispielsweise darum, Prämien für gewerbliche Produkte direkt selbst rechnen zu können und dort, wo das bereits möglich ist, auch direkt den Antrag online zu übersenden.

Diese Möglichkeit bieten wir unseren Maklern heute schon. Darüber hinaus arbeiten wir zurzeit an MTAs, sogenannten Mid-Term Adjustments, über die es für unsere Vertragspartner in Zukunft möglich sein wird Vertragsänderungen ganz einfach über die Partnershops in wenigen Minuten selbst durchzuführen- das ist ein großer Fortschritt. Doch auch das ist nur der nächste Entwicklungsschritt.

Wir schauen uns aktuell alle Prozesse im Unternehmen genau an, die die Zusammenarbeit mit uns für unsere Kunden einfacher, besser und schneller machen können- sei es wie wir Daten intelligenter nutzen, oder wie wir die Schadenbearbeitung effizienter gestalten.

VWheute: Werfen wir einen kleinen Blick in die berühmte Glaskugel von VWheute. Wie sind Ihre weiteren Planungen in diesem Bereich bis Ende 2018?

Andreas Krause: Unser Anspruch und Ziel ist es, das Anwendererlebnis für unsere Geschäftspartner kontinuierlich zu verbessern und noch weiter nach ihren Bedürfnissen auszurichten – heute und in der Zukunft, daher sind wir in engem Austausch mit unseren Maklern und nehmen das Feedback das wir bekommen sehr ernst. Dazu gehört unter anderem, dass wir Druck- und Speicherfunktion und weitere Erweiterungen schnellstmöglich umsetzen.

Wir möchten darüber hinaus unsere Produktpalette vervollständigen. Zum Jahresende 2017 werden wir beispielsweise eine Vermögensschadenshaftpflicht-Versicherung in unseren Partnershops zur Verfügung stellen. Weitere Produkte werden dann 2018 folgen. Des Weiteren arbeiten wir an der Direktanbindung weiterer Produkte an gewerbliche Vergleichsportale und sind dabei die gemeinsame Schnittstellenentwicklung mit Anbietern der Maklerverarbeitungsprogramme voranzutreiben, um den direkten Nutzen für unsere Makler zu maximieren.

Die Fragen stellt VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Andreas Krause (Quelle: AIG)

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