Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

Zwischen Risiko und Kommerz

27.05.2016 – allianz_arena_tdMit dem Madrider Stadtderby zwischen Real und Atletico am Samstag findet die aktuelle Fußball-Saison im Finale der europäischen Königsklasse ihren fulminanten Abschluss. Doch der Sportsommer 2016 wirft mit der Fußball-EM in Frankreich und den Olympischen Sommerspielen im sonnenverwöhnten Rio de Janeiro seine Schatten voraus. Nach den Attentaten von Paris ist die Vorfreude bei Versicherern wie Organisatoren aber gedämpft.

So konstatierte der europäische Fußballverband UEFA unlängst ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko durch die derzeitige Terrorgefahr. Auf einen entsprechenden Versicherungsschutz hat die UEFA bei dieser Gelegenheit gleich verzichtet – wegen “unbezahlbarer Prämien”. Ungeachtet dessen plant die UEFA einen Rekordumsatz von 1,9 Mrd. Euro sowie einen Reingewinn von 150 Mio. Euro zu erzielen.

Dennoch sind Terrorversicherungen nach den Anschlägen von Paris gefragter denn je, konstatierte damals bereits die Allianz-Tochter AGCS. Dabei wollen sich die Unternehmen mittlerweile gegen jede Form von Terror und politisch motivierten Risiken absichern – sei es Rebellion, Krieg oder Bürgerkrieg. Und auch für die sogenannten Terrorpools scheint das Geschäft mit dem Terror durchaus lukrativ. So hat allein Extremus 2002 etwa 400 bis 500 Mio. Euro an Prämien eingenommen. Dabei hat der Spezialversicherer rund 7.000 Großrisiken im Wert von etwa 670 Mrd. Euro versichert – von Messen und Hochhäusern über Kirchen, Industrieanlagen und ganzen Flughäfen bis hin zu Fußballstadien.

Nicht abgedeckt sind hingegen die Risiken für sportliche Großveranstaltungen wie die bevorstehende Fußball-EM, für die gewöhnlich spezialisierte Großmakler einspringen. Deren Expertise umfasst für gewöhnlich eine Veranstalter-Haftplicht mit entsprechenden Deckungssummen für Personen- und Sachschäden, sowie eine Ausfallversicherung für den Fall, dass ein sportliches Großevent wegen einer unmittelbaren Terrorgefahr verschoben oder gar abgesagt werden muss (siehe DOSSIER).

Versicherbar ist im Profifußball jedenfalls praktisch alles: Ob Abstieg, Aufstieg, die verpasste Qualifikation für Wettbewerbe, Verletzungen oder Sportinvalidität (siehe KÖPFE). Nur hausgemachte Risiken – wie Korruption und Misswirtschaft – sind nicht versicherbar. So hatte der Weltfußballverband FIFA im vergangenen Jahr rund 110 Mio. Verlust eingefahren – immerhin das erste negative Ergebnis seit 2002. Am Hungertuch dürfte der Verband dennoch nicht bei bescheidenen Rücklagen von 1,21 Mrd. Euro.

Risiken anderer Art plagen hingegen die Fußball-Clubs der englischen Premier League. Denn im Falle eines EU-Austritts Großbritanniens nach derzeit geltendem Recht die Arbeitsgenehmigungen für zahlreiche Legionäre aus dem EU-Ausland wegfallen. Die Folge: Dutzende Profis stünden nach einem Brexit plötzlich ohne Spielerlaubnis da. Zudem müssten die Vereine ihre Kader teilweise komplett neu aufstellen.

Unschätzbar bleibt jedoch auch zukünftig die Freude am gepflegten Rasensport mit Ball – und zwar unabhängig vom Erfolg oder Misserfolg und jenseits aller Risikoabwägungen. (td)

Bild: Die Allianz-Arena in München. (Quelle: td)

__________

Weitere Themen im Blick von VWheute:

Keine Öffentlichen in der Manndeckung
Die öffentlichen Lebensversicherer sind 2015 anders als der Gesamtmarkt gewachsen – und dies mit Einmalbeitragsgeschäft. 2Alle Lebensversicherer sind risikoavers unterwegs”, sagte Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Verbandes öffentlicher Versicherer. Es werde kein spekulatives oder institutionelles Geschäft gezeichnet.

BdV wirft Allianz Falschinformationen vor
Der Bund der Versicherten (BdV) wirft der Allianz Lebensversicherung vor, gegenüber den Medien falsche Angaben zum Neugeschäft mit Tarifen ohne Garantiezins gemacht zu haben. “Die Allianz verbreitet hier wissentlich falsche Zahlen, da sie einen Großteil der Altersvorsorgetarife auch weiterhin mit einem Garantiezins kalkuliert”, kritisierte BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein. Die Allianz wies die Vorwürfe auf Anfrage von VWheute jedoch zurück.

Brexit: Deutsche Exporteure sind größte Verlierer
Im Falle eines Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) wären die deutschen Exporteure die größten Verlierer. Demnach würden die kumulierten Einbußen durch einen Brexit zwischen 2017 und 2019 bei bis zu sieben Mrd. Euro liegen, konstatiert Euler Hermes. Selbst bei einem Austritt mit einem Freihandelsabkommen beziffert der Kreditversicherer die Ausfälle auf bis zu fünf Mrd. Euro.

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten