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„Weg der EZB geht zu Lasten der Sparer“

06.06.2014 – stuttgarter_Guido_BaderGuido Bader im Exklusiv-Interview mit VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte

Guido Bader, Vorstandsmitglied Mathematik, Leben und Kundenservice der Stuttgarter Lebensversicherung a.G., hat seine eigene Meinung zu den Beschlüssen der EZB vom gestrigen Donnerstag, den Leitzins von 0,25 Prozent auf das historische Tief von 0,15 Prozent abzusenken sowie den Banken einen negativen Einlagensatz von 0,1 Prozent abzuverlangen. Für die Lebensversicherung sei das keine gute Nachricht. Es werde für die Unternehmen immer schwieriger, die Garantien zu bedienen.

VWheute: Was bedeutet die Leitzinssenkung der EZB für die Lebensversicherung?

Die formale Zinssenkung als solche dürfte insoweit irrelevant sein, als die Kapitalmärkte diese ohnehin schon mit den in den letzten Wochen deutlich gefallenen Zinsen vorweggenommen haben. Viel negativer ist aber das damit verbundene Signal, das die EZB sendet. Sie ist bereit, die Zinsen in Zukunft noch weiter zu senken, ohne Rücksicht auf Sparer oder Versicherer. Für die Lebensversicherung ist das keine gute Nachricht. Es wird für die Unternehmen immer schwieriger, die Garantien zu bedienen. Zumal alternative Anlageformen durch Solvency II rigoros abgestraft werden.

VWheute: Was halten Sie von den Strafzinsen für Banken, hat das Konsequenzen für die Sparer?

Aus Sicht der EZB sind solche Strafzinsen nachvollziehbar. Das Argument ist einfach: Die Banken sollen zur verstärkten Kreditvergabe gezwungen werden, anstelle das Geld risikofrei bei der EZB zu “lagern”. Hierdurch soll die Wirtschaftsleistung und damit die Inflation angekurbelt werden. Ob der von der EZB eingeschlagene Weg der richtige ist, werden wir erst in einigen Jahren wissen. Für den risikoaversen Sparer bedeutet dies aber einen realen Kapitalverlust. Risikoaffine Sparer, die z.B. in Aktien- oder Immobilienmärkte investieren, laufen Gefahr, bei Blasenbildungen Geld zu verlieren.

VWheute: Fachleute sagen, dass niedrige Leitzinsen den Sparer für die europäische Solidarität rund fünf Prozent Guthabenzins kosten. Stimmen Sie dem zu?

Ich kann die Zahl weder bestätigen noch widerlegen. Fakt ist aber, dass der von der EZB eingeschlagene Weg zur Bekämpfung der europäischen Staatsverschuldung zu Lasten der Sparer geht – und zwar vornehmlich derjenigen, die zur Sicherung ihrer Altersvorsorge auf eine risikoarme und verlässliche Kapitalanlage angewiesen sind.

VWheute: Was glauben Sie, wie lange hält die Niedrig-Zinsphase noch an?
Ich denke, wir werden eine lang anhaltende Niedrigzinsphase erleben. Die Politik der EZB ist darauf ausgerichtet, die Staatsverschuldung durch inflationsbedingt steigende Steuereinnahmen bei gleichzeitig geringem Schuldzins zu reduzieren. So ein Prozess kann sehr lange dauern, bis er zum gewünschten Erfolg führt – nicht zuletzt, da die Sparbemühungen großer europäischer Nationen diesen Prozess nicht in ausreichendem Maße unterstützen.

VWheute: Kann die Stuttgarter trotz allem die aktuelle Überschussbeteiligung auch 2015 halten?

Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich noch nichts zur Überschussdeklaration für 2015 sagen. Dazu ist es noch zu früh. Allerdings sehe ich auf Grund der extrem niedrigen Zinsen die gesamte Branche unter Druck.

Links: POLITICS, KÖPFE, POLITICS, KÖPFE

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