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04.12.2016
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“Viele Versicherungen sind Pull-Produkte”

17.11.2016 – Marcus Wolsdorf - quelle interhypVon Interhyp-Mitgründer Marcus Wolsdorf. Wer schafft den digitalen Wandel? Ich sehe die Direktver­sicherer in einer guten Position und die großen Platzhirsche haben natürlich das Kapital, sich digitale Schnellboote zu kaufen, um Veränderungen intern zu treiben. Teilweise wird jedoch zu unkritisch investiert und inzwischen ist ein Hype um Fintechs entstanden und auch viele langweilige Geschäftsmodelle malen sich als Fintech an, um interessant zu wirken.

Digitalisierung betrifft alle Geschäftsprozesse und ist nicht auf eine Webseite zu reduzieren. Es ist daher ein Muss für alle Versicherer. Natürlich ist vieles komplex, wie auch die Baufinanzierung. Wir haben aber mit Interhyp ein Multikanal-Angebot geschaffen, das mit 100 Standorten und über 500 Baufinanzierungsspezialisten Internet und persönliche Beratung ideal verbindet. Warum sollte das nicht auch im Bereich Versicherungen gehen?

Weil einige glauben, dass Versicherungen Push-Produkte sind? Aber viele Policen sind Pull-Produkte, weil die Menschen diesen Basisschutz vorgeschrieben bekommen oder gefühlt brauchen. Das sieht man am Suchtraffic zu Kfz, Haftpflicht, Krankenversicherung oder Risikoleben. So ist auch Check24 groß geworden. Selbst nach komplexen Themen wie Berufsunfähigkeit suchen weit über 100.000 Menschen jeden Monat. Meist treffen diese Suchanfragen aber nicht auf gute Angebote. Daher versanden sie heute noch.

Alles, was mit langfristiger Geldanlage zu tun hat, also auch die Kapitallebensversicherung und ihre Variationen, muss wirklich verkauft werden. Das liegt aber auch daran, dass Deutschland keine Aktienkultur hat und langfristiges Anlegen über Jahrzehnte mit steuerbegünstigten Lebensversicherungen passiert ist. Damit haben die Kunden das Gefühl bekommen, dass Renditen risikolos erzielbar sind. Mit Niedrigzinsen funktioniert das nicht mehr. Das Suchvolumen nach Tagesgeld und Festgeld ist aber enorm, was die Verzweiflung der Sparer zeigt.

Lesen Sie auch das Interview mit Robert Haselsteiner, ebenso Interhyp-Gründer, über traditionelle Versicherer und warum sie sich vor der neuen digitalen Playern fürchten müssen (siehe DOSSIER).

Bild: Marcus Wolsdorf (45) gründete gemeinsam mit Robert Haselsteiner 1999 den Baufinanzierungsvermittler Interhyp, der 2005 an die Börse ging und 2008 von der ING Direct übernommen wurde. Seit 2011 richten sie mit ihrer Beteiligungsgesellschaft HW Capital den Fokus auf Fintechs wie Finanzchef24, GetSafe, Savedo, Bonify und Payworks sowie das Online-Verbrauchermagazin Finanztip. (Quelle: Interhyp)

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Weitere Themen im Blick von VWheute:

Fintechs setzen auf Kooperation statt Konfrontation
Fintechs befinden sich derzeit auf einem aufsteigenden Ast. Allein 2015 flossen rund 19 Mrd. US-Dollar in die digitalen Finanzneulinge, was einem Plus von 60 Prozent entspricht. Allerdings setzen rund 86 Prozent neuen Player auf dem Finanzmarkt vielmehr auf Kooperation mit traditionellen Playern und nicht auf Konfrontation, konstatiert eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Roland Berger.

Munich Re macht auf Landwirt und erntet Kritik
Drei Wochen hat die Munich Re vergangenes Jahr gewartet, bevor sie die ATU Landbau kaufte. KTG Agrar hatte in dieser Zeit ihrer Tochtergesellschaft Land übertragen. Dadurch habe der Rückversicherer in Brandenburg Land erwerben können, am Gesetz vorbei und ohne Steuern zu bezahlen, berichtet die taz. Grundsätzlich prüfe man jede Transaktion, ob sie der unternehmerischen Verantwortung entspricht, sagt die Meag.

Geschlechterklischees halten sich hartnäckig
Frauen sind multitaskingfähig, können aber schlechter einparken: diese Klischees halten sich heute noch mehr oder weniger hartnäckig in manchen Köpfen. Dennoch werden viele dieser (Vor-)Urteile von den Bundesbürgern bestätigt – wenn auch mit gewissen Ausnahmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Direktversicherers Hannoversche. Ein Ergebnis: 70 Prozent der Frauen glauben von sich, schlechter einparken zu können als ihre Partner.

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