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04.12.2016
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Versicherer stehen sich häufig selbst im Weg

29.11.2016 – Akte_Martin Moritz_pixelioDie traditionellen Versicherer sehen sich bekanntlich immer stärker der digitalen Konkurrenz ausgesetzt. Nicht nur, dass die digitalen Player à la Google & Co. den Altstars der Branche die Kunden mit neuen Innovationen streitig machen. Längst haben auch Direktversicherer wie beispielsweise CosmosDirekt die loyalsten Kunden hinter sich, wie eine aktuelle Bain-Studie belegt.

So kommt die Umfrage zu dem Ergebnis, dass die Huk Coburg mit 34 Prozent den höchsten Net Promoter Score erzielte, gefolgt vom Schwesterunternehmen Huk24 mit 28 Prozent und CosmosDirekt mit zehn Prozent. Den Spitzenplatz bei den Lebensversicherern nimmt mit einem NPS von 20 Prozent ebenfalls Huk-Coburg ein (siehe MÄRKTE).

Dabei stehen sich viele altbewährte Versicherer auf der Kundenjagd meist selbst im Weg. Dies liegt nicht nur an einem veränderten Kundenverhalten, die Gründe sind auch hausgemacht: Stichwort IT. Demnach hat mancher Versicherer den Sprung zur Etablierung neuer IT-Systeme bislang noch nicht gewagt. Die Folge: viele Altsysteme laufen zwar stabil, stellte IT-Experte Enrico Moritz unlängst gegenüber VWheute fest: “Nicht selten kommen gar verschiedene Systeme zur Verwaltung unterschiedlicher Produkte zum Einsatz, so dass der 360-Grad-Blick auf den Kunden fehlt”.

So müssen sich die Versicherer fragen, “mit welchen Funktionen disruptive Marktteilnehmer auf Kundenfang gehen, mit welchem (Zusatz-)Nutzen sie Neugeschäft generieren und bestehende Kunden halten können und ob es sich lohnt, zum Beispiel auch unterstützende Funktionen zur Selbstverwaltung von Verträgen und Stammdaten anzubieten, die von jüngeren Kunden erwartet werden, weil sie diese aus anderen Branchen gewohnt sind”, betont Tim Utke, Business Analyst von Sollers Consulting, in seinem Beitrag für VWheute (siehe VERTRIEB).

Ein weiteres Problem: “Oft fehlt Erfahrung mit der Frage, wie Prozesse zu digitalisieren, also um- oder gar neuzugestalten, sind. Das betrifft sowohl prozessorische als auch informationstechnische Fragen. Die Versicherungswirtschaft steht auch vor der großen Herausforderung, Daten aus einer Vielzahl unterschiedlicher Quellen migrieren zu müssen, wie diese perspektivisch nicht mehr unterstützt werden können – manch einem mag das Bild des von der Schlange hypnotisierten Kaninchens in den Sinn kommen. Kurz: Vieles ist denkbar, aber es fehlt oft die Erfahrung, die Optionen im Hinblick auf einen Payoff richtig einzuschätzen”, ergänzt der Sollers-Experte

Dabei sind die “Planungsbücher der IT voll mit guten Ideen zur Problemlösung. Darunter sind alte Bekannte wie z.B. Automatisierungsmaßnahmen oder die Beseitigung von Medienbrüchen. Aber auch neue Anforderungen müssen von den IT-Bereichen der Versicherer bewältigt werden”, ergänzt Thomas Niemöller, IT-Vorstand der Provinzial NordWest. Gefordert seien hingegen ein “analytischer Blick auf die eigene Situation und klare Prioritäten, was erforderlich ist und was nicht. Nur wenige Häuser können es sich leisten, ‘auf allen Hochzeiten zu tanzen’” (siehe UNTERNEHMEN).

Abwarten ist also keine Option, betonen die KPMG-Experten Peter Heidkamp und Tobias Synak, “denn erste Wettbewerber innerhalb der Versicherungswirtschaft rüsten bereits digital auf und werben mit innovativen Produkten um die Gunst der Kunden. Hinzu kommen die neuen digitalen Wettbewerber. Versicherungsunternehmen sind daher zwingend auf die Möglichkeit angewiesen, heute schon schnell und flexibel in Richtung Kunde zu agieren, ohne gleichzeitig die gesamte IT-Landschaft anpassen und verändern zu müssen” (siehe DOSSIER). (td)

Bildquelle: Martin Moritz / pixelio.de

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Weitere Themen im Blick von VWheute:

D&O-Schadenfälle steigen sprunghaft an
In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl D&O-Schadenfälle allein in Deutschland verdreifacht, besagt eine AGCS-Studie. Kein Wunder – schließlich wächst der Markt für die Managerhaftung, insofern wird die Police auch öfter in Anspruch genommen. Allerdings fördert der Staat diese Entwicklung durch verschärfte Gesetze. Wenn es richtig teuer wird, nutzt die Deckung ohnehin nichts.

“Irrationalitäten können quantifiziert werden”
“Blase” – dieses Wort lässt Finanzfachleute und Anleger erbleichen. Vor kurzem berichtete VWheute von einer Studie des Unternehmens Union Investment, in der Martin Hellmich, Frankfurt School of Finance & Management, das Phänomen der Blasenbildung auf dem Finanzmarkt erläuterte. Denn: “Irrationalitäten müssen zum einen nicht nur psychologisch erklärt, sondern ihre Auswirkungen auch quantifiziert werden”.

Finanzdienstleister üben scharfe Kritik an IDD-Umsetzung
Nach Angaben des AfW zeige die IDD-Umsetzung einschneidende Eingriffe in das Berufsbild des Maklers unter dem fehlgeleiteten Leitbild des Verbraucherschutzes und unter evidentem Verfassungsbruch. Der Verband fordert eine Rückkehr zum Ursprungsgedanken der IDD, der Mindestharmonisierung der nationalen Vorschriften für den Versicherungsvertrieb und dem Verbraucherschutz.

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