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Verbraucherschützer in der Grauzone

13.02.2015 – BaltzerKommentar von VWheute-Redakteur Christoph Baltzer.

Die Grenzen zwischen Verbraucherschutz und Vermittler vermischen sich. Qualitätsorientierte Berater sehen sich als die wahren Verbraucherschützer. Umgekehrt betätigen sich immer mehr Verbraucherschützer als Vermittler.

Verbraucherschützer werden konkret: Einer nach dem anderen geht dazu über, Produkte zu empfehlen und zu beraten. Wegweisend sind die Aktivitäten des Bundes der Versicherten in der Gruppenversicherung. Die Heilbronner Interessenvereinigung Geld und Verbraucher tut es den Norddeutschen gleich.

Finanztip tritt jetzt als Meta-Vermittler im Internet auf, ist in der Erstausgabe von Value zu lesen. Das Verbraucherportal empfiehlt Produkte und Vermittler, egal ob sie online oder offline tätig sind (siehe VERTRIEB). Wenn deren Affiliate Links geklickt werden, erhält die gemeinnützige GmbH eine Gebühr. Die Verbraucherzentralen gehen sogar noch einen Schritt weiter und bieten Honorarberatung an, zu konkurrenzlos günstigen Preisen. Das Problem: Keiner dieser Akteure ist registriert, weder als Makler, noch als Berater oder zumindest als Tippgeber.

Versicherungsvermittlern treibt diese Konkurrenz die Zornesröte ins Gesicht. Der Job des Vermittlers verlangt ihnen administrative Höchstleistungen ab. Verbraucherschützer hingegen können abseits jeder Regulierung agieren. Das ganze geht so lange gut, bis es zum ersten Skandal kommt. Denn auch Verbraucherschützer können irren. „Wer Kunden die Freiheit einräumt, schlechten Versicherungsschutz billig einzukaufen, kann ihn nicht zugleich vor den Folgen dieser Fehlentscheidung schützen“, warnte Dieter Farny Ende der 1980er Jahre.

Finanztest empfahl einst Tarife des niederländischen Kfz-Versicherers Ineas, der dann in die Insolvenz abrauschte. Finanztip empfiehlt Verivox über einen Affiliate Link. Dabei ließ die Transparenz bei dem Stromvergleich durchaus zu wünschen übrig. Häme über Verbraucherschützer auszugießen, wäre fehl am Platz. Solange das Misstrauen gegenüber der Finanzbranche so groß ist, sind alternative und glaubwürdige Formen der Vermittlung gefragt. In dieser Hinsicht sollte man von Verbraucherschützern eher lernen.

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