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US-Zinsanstieg: Keine Entlastung für die Lebensversicherer

03.09.2015 – astrid_frey_swissreVon Astrid Frey. Bis vor kurzem gingen die Märkte davon aus, dass die US-Notenbank die Zinsen im September zum ersten Mal seit 2006 wieder anheben wird. Mit den jüngsten Marktturbulenzen, welche von China auf andere Aktienmärkte überschwappten, ist der Ausblick etwas unsicherer geworden. Sofern die US-Arbeitsmarktzahlen am nächsten Freitag gut ausfallen, ist ein erster Zinsschritt im September jedoch weiterhin eine plausible Option.

Im Euroraum dagegen liegen Zinserhöhungen in weiter Ferne. Die Inflation befindet sich nahe null und die Wachstumsdynamik ist zu schwach, um die Preise rasch ansteigen zu lassen. Dennoch dürften die Renditen auf langfristigen deutschen Staatsanleihen im Zuge der US-Zinserhöhungen leicht ansteigen.

Steigende Zinsen sind grundsätzlich positive Nachrichten für die Versicherer. Im aktuellen Tiefzinsumfeld leiden vor allem Lebensversicherer, welche Produkte mit festen Zinsgarantien anbieten. Diese dürften wiederum am meisten profitieren, sollten die Zinsen wieder steigen. Es wäre allerdings ein Trugschluss zu glauben, dass die positiven Effekte unmittelbar spürbar sein werden.

Dies liegt zum einen daran, dass die Versicherer nur einen geringen Anteil ihrer Portfolios jährlich umschichten. Somit haben steigende Zinsen nur einen marginalen und verzögerten Effekt auf die Portfoliorenditen. Kurzfristig dürften die Portfoliorenditen sogar noch weiter sinken, selbst wenn die Marktzinsen bereits steigen. Zudem werden sich steigende Zinsen zunächst negativ in den veröffentlichten Bilanzen niederschlagen. Dies liegt daran, dass der Marktwert festverzinslicher Anlagen bei steigenden Zinsen sinkt, während die Verbindlichkeiten nicht immer marktbewertet werden.

Die Versicherer sollten deshalb keine allzu großen Hoffnungen in die bevorstehenden US-Zinserhöhungen stecken. Stattdessen sollten sie ihre Anstrengungen weiterhin darauf fokussieren, ihre neu verkauften Produkte so anzupassen, dass sie sowohl bei anhaltend tiefen, wie auch bei steigenden Zinsen nachhaltig sind (siehe POLITICS).

Bild: Astrid Frey ist Senior Economist und Deputy Head Econmic Research & Consulting Macro bei der Swiss Re. (Quelle: Swiss Re)

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