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Umlagefinanzierung löst das Pflegeproblem nicht

10.11.2016 – timm_genett_pkvVon Timm Genett, PKV-Geschäftsführer Politik. Nach einem mittleren Prognose-Szenario des Statistischen Bundesamtes wird die Bevölkerungszahl in Deutschland bis zum Jahr 2060 von 81 Millionen auf 69 Millionen abnehmen. Die demografische Herausforderung für die Finanzierung der Gesetzlichen Pflegeversicherung besteht dabei in der quantitativen Verschiebung in den Alterssegmenten.

  • In der Gruppe der unter 20-Jährigen werden wir einen Rückgang um fast 4 Mio. erleben (von heute noch 14,7 Millionen).
  • Das einzige Alterssegment, das in den kommenden 45 Jahren wachsen wird, ist das der über 67-Jährigen mit einem Anstieg um sieben Millionen auf dann 22 Millionen.
  • In den Altern von 20 bis 67 Jahren, also dem großen Segment der Erwerbsfähigen, werden wir einen besonders dramatischen Rückgang um 15 Millionen erleben (von heute 51 Millionen auf dann 36 Millionen).

In der Konsequenz erodiert die Einnahmebasis der umlagefinanzierten Sicherungssysteme, und damit auch der Sozialen Pflegeversicherung. Mit fast einem Drittel weniger Erwerbsfähigen geht ihr auch fast ein Drittel ihrer wesentlichen Finanzierungsbasis – die beitragspflichtigen Einkommen – verloren.

Die Leistungsausgaben der Pflegeversicherung werden zugleich expandieren: Pflegebedürftigkeit korreliert mit dem Alter. Im Jahr 2050 wird es zwei Drittel mehr Pflegebedürftige geben als heute. Damit brauchen wir, um die Versorgung auf heutigem Niveau sicherzustellen, entsprechend mehr Pflegekräfte und Heimplätze. Gleichzeitig werden wir aber mehr professionelle Pflege benötigen als heute, weil die Familie als größter “Pflegedienst der Nation” sukzessive immer weniger für diese Aufgabe zur Verfügung stehen wird.

Die umlagefinanzierte Soziale Pflegeversicherung wird angesichts dieser Herausforderungen keine Wunder vollbringen können. Hinzu kommt, dass sie eine Teilkaskoversicherung ist und schon in den vergangenen Jahren Mühe hatte, ihren Anteil an den Realkosten überhaupt aufrechtzuhalten.

Es wäre daher individuell wie auch pflegepolitisch fahrlässig, allein auf die Pflegepflichtversicherung zu setzen. Die Förderung der privaten Pflegevorsorge seit 2013 setzt daher einen richtigen Anreiz. Ohne private Vorsorge – ob über Pflegezusatzversicherungen oder andere Instrumente der Altersvorsorge – wird Pflege auch in Zukunft nicht finanzierbar sein (siehe DOSSIER).

Angesichtes der Pflegestärkungsgesetze beschäftigt sich der PKV-Verband heute im Rahmen des “Kompetenztages Pflege” mit den Auswirkungen auf die Pflegebreiche.

Bild: Timm Genett, PKV-Geschäftsführer Politik (Quelle: PKV-Verband)

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Die Entscheidung ist gefallen: Donald Trump wird der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Milliardär und politische Quereinsteiger setzte sich in einer langen Wahlnacht gegen die demokratische Favoritin Hillary Clinton durch. Die Reaktionen auf dessen Wahl schwanken zwischen Skepsis und Verunsicherung. Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise rechnet mit Jahren der Unwägbarkeiten und Risiken.

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