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Thelen prophezeit den Untergang etablierter Versicherer

22.12.2016 – Frank Thelen quelle www.frank.ioDer Angriff erfolge von zwei Seiten, erklärt der Startup-Guru Frank Thelen im Exklusiv-Interview mit Value. “Einerseits vom veränderten Konsumenten-Fronted durch coole Apps, andererseits braucht man für das Backend durch Big Data und Blockchain keine Sachbearbeiter mehr. Die Software wird bei der Schadenregulierung bessere und schnellere Entscheidungen für Kunden treffen – und das bei einem Bruchteil des Personals.”

Mit 18 Jahren gründete er sein erstes Unternehmen, mit 24 stand er kurz vor der Privatinsolvenz. 2008 verkaufte Frank Thelen die Firma IP Labs an die Fujifilm-Gruppe und wurde Millionär. Der aus der Sendung “Die Höhle der Löwen” bekannte Investor erklärt im Gespräch mit Value, was er daraus gelernt hat. “Es entstehen keine Innovationen, wenn ich mich alleine auf die Kundenbedürfnisse verlasse.” Die deutsche Autobranche verschlafe derzeit revolutionäre Trends, ebenso die Versicherer. “Kunden finden Knip & Co. cooler als die verstaubten etablierten Player. Wobei bei den Newcomern das Produkt gleich ist, lediglich das Branding wurde aufgefrischt”, sagt Thelen. Die größere Gefahr für die Branche drohe hingegen im Backend. “Dort wird es richtig revolutionäre Technologien geben, aus denen revolutionäre Produkte entstehen.”

Ob allein dadurch traditionelle Versicherer verschwinden? “Doch. Die Geschichte lehrt uns das. Man nennt es Paradigmenwechsel. Erstmal hat man stabile Cash-Flows, die laufen. Aus diesem gesunden Geschäft ist es extrem schwierig auf einmal diese ganze Disruption mitzuerleben. Historisch gesehen hat bei einem Paradigmenwechsel immer ein neuer Player den alten Marktführer verdrängt.”

Bei den Versicherern selbst sieht man die Sache anders. Selbst die Vertriebsvergütungen bleiben vom digitalen Wandel unberührt, glaubt Ralf Berndt, Vorstandsmitglied Vertrieb und Marketing der Stuttgarter Lebensversicherung. “Digitalisierung hat keine Auswirkungen auf Provisionen”, sagt er im Gespräch mit VWheute (siehe VERTRIEB).

Der führende europäische Anbieter für Data & Analytics Bisnode hingegen prophezeit das Ende der Solidargemeinschaft. “Das würden wir gar nicht so sehr an der Blockchain-Technologie festmachen. Sicher ergeben sich hier in Zukunft neue Möglichkeiten – sowohl für Versicherte als auch Versicherungen. Das hat allerdings eher transaktionellen Charakter”, sagt Jörg Bollow, Executive Director und Mitglied der Geschäftsleitung, von Bisnode Deutschland (siehe DOSSIER). (dg)

Bild: Frank Thelen unterstützt als CEO der Risikokapital-Firma e42 Jungunternehmer im Bereich der Frühphasen-Finanzierung und machte Start-ups wie KaufDa, MyTaxi oder Wunderlist groß. (Quelle: www.frank.io)

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