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Testiertes Wohlverhalten

01.04.2016 – mertesKommentar von Heinz Klaus Mertes.

Nahezu hundert Prozent der deutschen Unternehmen über 10.000 Mitarbeiter haben ein Compliance Management System installiert. Die Versicherer sind mit solcher Abdeckung auf gleicher Höhe. Es gilt in der deutschen Wirtschaft: Non-Compliance ist geschäftsschädigend. Jemand dagegen?

screen_vw0416Natürlich niemand. Denn wer wollte sich gegen unternehmerische Sitte und Moral stellen. Schließlich ging schon das erste Werk des Markt-Protagonisten Adam Smith über die “moralischen Empfindungen” (siehe DOSSIER).

Die andere Seite: Der Rahmen des geschäftlichen Agierens der Versicherer ist eng. Über die fortschreitende Regulierung durch die Gesetzes- und Verordnungsproduktion in Brüssel und Berlin, zur aufsichtsrechtlichen Intensivbegleitung wölbt sich ein weiteres Regime: Compliance.

Immer straffer werden diese Zügel angezogen für den Ritt in der Verantwortung für Unternehmen, Mitarbeiter, Gesellschaft. Die Bereitschaft dafür ist da und Konsens gerade in Branchen, die wie die Versicherer auch gesellschaftliche Wirkungsbedeutung haben. Allein, so eine repräsentative Erhebung der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse- Coopers (PWC), es fehlt noch weithin an der systematischen Pozessoptimierung, die bis zur Zertifizierung führen kann .

Der Titelreport in der neuen Ausgabe der Versicherungswirtschaft belässt es deshalb nicht nur bei moralischem Sentiment, sondern transportiert Befunde und Tools (“Zügel des Managements. Das straffe Regime der Compliance”).

Und nicht zuletzt geht es darum, dass der Compliance-Aufwind sich nicht zu einer spezifischen Political Correctness auswächst, die den ohnehin dichten Regulierungsrahmen mit einem ausufernden gesellschaftlich-medialen Moralkorsett einschnürt.

Unternehmerisches Wirtschaften darf nicht a priori unter moralischen Generalverdacht geraten.

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