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Terrorrisiken als Geschäftsmodell

09.09.2016 – 911memorial_dpaDer 11. September 2001 ist durch die Terroranschläge in New York bis heute als trauriger Tag in Erinnerung geblieben. Am Sonntag gedenken die Hinterbliebenen erneut der rund 3.000 Todesopfer. Für die Assekuranz bedeuteten die Attentate einen Marktschaden von rund 25 Mrd. US-Dollar. Die Folge: Terrorrisiken werden nun separat abgedeckt. Der Terrorschutz in Deutschland unterscheidet sich aber von den englischen Modellen.

Bis zu 25 Mio. Euro umfasst der hiesige Versicherungsschutz infolge von Terrorschäden bei den in Deutschland ansässigen Sachversicherern. Schäden, welche über diese Summe hinaus gehen, sind seit 2002 bekanntlich durch den Spezialversicherer Extremus abgedeckt. Dabei steht dem Versicherer eine jährliche Deckungssumme von bis zu zehn Mrd. Euro zur Verfügung. Davon sind zwei Mrd. privatwirtschaftlich rückgedeckt, die weiteren acht Mrd. werden durch den deutschen Staat gedeckt.

Seit einiger Zeit bieten allerdings auch englischsprachige Versicherer ihre Policen auf dem deutschen Markt an, welche sich wesentlich von den deutschen Policen unterscheiden. Diese basieren in der Regel auf den von Lloyd’s entwickelten Standardwortlauten des Londoner Marktes, welche von den einzelnen Versicherern wiederum im Bedarfsfall modifiziert werden.

Die Versicherer haben jedenfalls infolge der Anschläge von 9/11 schnell reagiert: “Folgen eines Terroranschlags wie Explosionen oder Feuer waren bis zu diesem Zeitpunkt im Rahmen der Feuerversicherung gedeckt. Nach 9/11 wurde dieses bis dahin nie in diesem Ausmaß kalkulierte Risiko in den Erst- und Rückversicherungsverträgen ausgeschlossen”, erläutert Ina Straub, Terror-Expertin beim Versicherungsmakler Aon Risk Solutions in Deutschland (siehe DOSSIER).

Mit den jüngsten Attacken von Brüssel, Nizza und Bayern ist die Nachfrage nach gezielten Angeboten weiter gestiegen. Neben dem Terrorrisiko können Unternehmen auch das Risiko politischer Gewalt rückversichern, konstatiert die Expertin zudem in einem Beitrag für das Business- und Managementmagazin Versicherungswirtschaft. Darunter fallen auch Revolution, Aufruhr, Meuterei, Streik, Aufstände, Putsch oder innere Unruhen bis hin zum Krieg oder Bürgerkrieg (siehe UNTERNEHMEN).

Die Folgen der Anschläge sind für die Rückversicherer jedenfalls bis heute zu spüren: So waren die Ereignisse von 9/11 auch ein “market turning event” – also der Katalysator für ein wesentlich strikteres Underwriting. Hinzu kamen auch noch im wesentlichen schadenfrei verbleibende US-Hurrican-Saisons, die den aktuarisch kalkulierten Schadenbedarf bei weitem unterschritten. Mit den Folgen beschäftigt sich die Branche auch beim alljährlichen Rendez-vous de Septembre in Monte Carlo (siehe MÄRKTE).

Den Angehörigen der Anschläge vom 11. September geht es hingegen auch 15 Jahre nach den verheerenden Anschlägen wohl nicht um einen finanziellen Ausgleich: “Sie wollen reden”, konstatierte Kenneth Feinberg, damaliger Sonderbeauftragter des Entschädigungsfonds für die Opfer der Anschläge, bereits vor einem Jahr. (td)

Bild: Mahnmal für die Opfer der Terroranschläge von New York am 11. September 2001 am Ground Zero (Quelle: dpa)

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