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Solvency II: Was muss sich ändern, wer soll das verstehen, wer soll das bezahlen?

15.07.2014 – stuttgarter_Dr_Guido_Bader_2014_150Ein Standpunkt von Guido Bader – Vorstand der Stuttgarter Lebensversicherung a.G.

Seit zwei Tagen diskutieren hochkarätige Experten auf der diesjährigen Handelsblatt-Tagung über die Chancen und Risiken bei der Umsetzung von Solvency II. Guido Bader, Mitglied des Vorstandes der Stuttgarter Lebensversicherung a.G., suchte in seinem Vortrag Antworten auf die Problematik aus der Perspektive eines mittelgroßen, deutschen Lebensversicherungsvereins. “Wer muss sich ändern?”, “Wer soll das verstehen?” und “Wer soll das bezahlen?” lauten die Grundsatzfragen Baders, bei der Stuttgarter zuständig für die Ressorts Mathematik, Leben, Kundenservice und Kooperationsvertrieb. Hier sein Standpunkt.

Auch wenn die europäischen und deutschen Aufsichtsbehörden immer wieder die Bedeutung der qualitativen Aspekte des Risikomanagements betonen, so sind die reinen Solvenz-Zahlen doch für die Öffentlichkeit von großer Bedeutung. Gerade hier passt Solvency II nicht zum Geschäftsmodell der Lebensversicherer. Im Gegensatz zur überwiegend geäußerten Kritik an den Risikofaktoren der Solvency-Standardformel (z.B. für Aktien, Immobilien oder Staatsanleihen) setzt der Vortrag an einer ganz anderen Stelle an: Der Marktwertsicht. Da es in Deutschland keine Märkte für Lebensversicherungsverträge gibt, sind alle Bewertungsansätze von Solvency artifiziell, Ergebnisse von Rechenmodellen. Und die heutigen Modelle führen nicht zu einer sinnvollen Bewertung von Lebensversicherungsverträgen.

Wer muss sich ändern? Die Solvency II-Modelle oder die deutsche Lebensversicherung? Es kann dabei keine Lösung sein, das Geschäftsmodell aufzugeben und künftig nur noch bankähnliche Produkte anzubieten, weil diese “besser zu Solvency II passen”. Modifikationen in den Bewertungsansätzen von Solvency II, wie sie durch Omnibus II bereits aufgegriffen wurden, sind daher gut und richtig. Aber von einer sinnvollen Bewertung sind wir noch weit entfernt. Umgekehrt müssen sich aber auch die Produkte ändern – und zwar so, dass die Einzigartigkeit unseres Geschäftsmodells erhalten bleibt. Hier wird es sehr spannend, ob und wie der Branche dieser Spagat gelingt.

Die neuen Solvenzmodelle bergen aber auch ein weiteres Risiko: Sie sind zu komplex.

Wer soll das verstehen? Nur wenige Personen im Unternehmen sind in der Lage, die Risiken gemäß den Anforderungen von Solvency zu bewerten und die Ergebnisse richtig zu interpretieren. Die Ergebnisse sind zudem instabil und sehr volatil. Es gibt unzählige Gestaltungsspielräume und die Solvenzkennziffern verschiedener Häuser werden nicht vergleichbar sein. Aber genau das wird durch die vom Gesetzgeber erzwungene Transparenz passieren. Die Öffentlichkeit wird die Zahlen vergleichen und wird daraus ihre Schlüsse ziehen. Und dies kann zu einem Vertrauensverlust in die Branche führen. Letztlich wird sich Solvency II hierdurch selbst beschädigen.

Zu guter Letzt sind mit Solvency enorme Umsetzungsaufwände verbunden. Und dies nicht nur während der Startphase, sondern auf Grund der unzähligen Berechnungen und Berichtspflichten dauerhaft.

Wer soll das bezahlen? Bei einem Versicherungsverein ist die Antwort sehr einfach: Der Versicherungsnehmer. Und es wäre absurd zu glauben, dass bei Aktiengesellschaften die Aktionäre für die Kosten aufkommen. Nach ersten Schätzungen werden die Umsetzungsaufwände die Versicherungsnehmer mindestens 0,1 Prozent Rendite kosten. Solvency II gibt es für die Kunden von Lebensversicherungen nicht zum Nulltarif. Dies müssen wir ihnen auch offen sagen. (vwh)

(siehe MÄRKTE und KÖPFE)

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