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Schlägt heute die Stunde der Wahrheit?

22.01.2015 – michael_hanke_uni_lieDie turbulenteste Finanzwoche seit Jahresbeginn. Alle Augen richten sich auf die heutige Sitzung der EZB-Entscheidung. Im Sperrfeuer: Mario Draghi mit seiner Ankündigung einer lockeren Geldpolitik (“Quantitive Easing”). Für Währungsexperte Michael Hanke, Professor an der Universität Liechtenstein, scheint klar: “Vom QE-Programm der EZB bleibt letztlich die Funktion der billigen, indirekten Staatsfinanzierung.” Der verbreitete Eindruck von Aktionismus und “hilflosem Herumprobieren” trage nicht dazu bei, verlorenes Vertrauen in den Euro zurückzugewinnen.

Fraglich sei, ob eine Ausweitung der Geldmenge tatsächlich die Inflation und damit konjunkturbelebend wirken wird. Schließlich gibt es keinen “Quasi-Automatismus” der Entstehung von Wirtschaftswachstum aus dem höherer Inflation bzw. steigenden Inflationserwartungen, so der Experte. Auch die Qualität der Schuldner wird aller Voraussicht nach nicht steigen, nur weil mehr Liquidität im Umlauf ist. So wird das zusätzliche Geld aller Voraussicht nach nur zu einem geringen Teil in die Realwirtschaft fließen. Der wesentlich größere Teil wird vielmehr steigende Preise von Vermögenswerten – ob nun Immobilien oder Aktien – führen und letztlich sogar zu einer Blasenbildung führen kann.

Der wirksamste Faktor zur Ankurbelung der Wirtschaft basiere vielmehr auf einem einfachen Prinzip: “Mehr Konsum”. Vor dem Hintergrund stagnierender und teilweise sogar rückläufiger Realeinkommen sowie langfristiger Unsicherheiten – zum Beispiel durch umlagefinanzierte Pensionssysteme oder den politischen Appellen für mehr Altersvorsorge – ist dieses Ziel allerdings nicht einfach zu erreichen. Denn: Wer wenig hat, kann ohnehin nicht mehr konsumieren, und wer mehr hat, weitet in Zeiten gefühlter Unsicherheit eher die Vorsorge als den Konsum aus.

Auch der Effekt der Abwertung des Euro zu anderen bedeutenden Währungen muss nicht zwangsläufig einen wirksamen Stimulus für die Gesamtwirtschaft darstellen. Vielmehr könnte er sogar den “Abwertungskreislauf” zwischen den Währungsräumen sogar anheizen. Daher sollte die EZB bereits jetzt darüber nachdenken, wie der nächste Versuchsballon aussehen sollte, den die EZB im Rahmen ihres “Programms der experimentellen Geldpolitik” starten wird, nachdem und weil sich Quantative Easing als weitgehend wirkungslos erwiesen haben wird. (siehe DOSSIER)

In den USA stehen die Signale jedenfalls auf Erholung. So rechnen die Experten von AXA Investment Managers damit, dass die US-Notenbank Fed bereits Mitte des Jahres den Leitzins erhöhen wird. Grund seien die gesunkenen Arbeitslosenzahlen und die gestiegenen Löhne. Im Euroraum lässt diese Signalwirkung zumindest noch etwas auf sich warten. (siehe POLITICS) (vwh/td)

Bild: Prof. Dr. Michael Hanke ist Inhaber des Lehrstuhls für Finance an der Universität Liechtenstein (Quelle: Uni Liechtenstein)

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