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Scheitern ist menschlich

15.12.2016 – baltzer_christoph_170Die Fintechs rütteln an dem Tabu des Scheiterns. “Wichtig ist zu verstehen, dass Scheitern eine Option für alle Dinge im Leben ist”, sagt Unternehmensgründer und Investor Frank Thelen im Interview mit Value. Für Vermittler gehört Scheitern zum Alltag, schreibt Christoph Baltzer in der aktuellen Ausgabe von Value.

Durch die Startups ist es hip geworden zu scheitern. Jetzt wollen auch die neuen Manager der Versicherungsbranche ihre Mitarbeiter hin zu einer Fehlerkultur führen. Wenn die Bearbeitung von Schäden zur Computersache wird, entsteht in den konservativen Häusern der Versicherer Platz für Kreativköpfe.

Das Leben ist ein einziges Trial and Error. Scheitern ist menschlich, die Versicherer haben es sich nur abtrainiert. In einer Branche, die mit ihren Produkten Menschen, Unternehmen, ja ganze Staaten vor dem Untergang bewahren will, passt das Scheitern nicht gut zum Image. “Nicht das gesamte System Versicherung sollte einem solchen Prozess unterzogen werden, denn insgesamt braucht es in der Tat Stabilität: Altersversorgungsprozesse, Risikoabnahmeprozesse usw. müssen natürlich konstant und stark sein”, warnt Hans Zeidler im Interview mit VWheute. “An den Seitenrändern aber muss sich was bewegen, es müssen sich Neuheiten bilden.” Hans Zeidler hat mehr als dreißig Jahre Versicherungserfahrung auf dem Buckel und ist jetzt als Unternehmensberater tätig.

Mehr Erfindungsreichtum, mehr Offenheit, mehr Wagemut wünscht sich Alexander Libor. Er ist Chef-Personaler bei der Zurich. Zugleich kümmert er sich um die Unternehmensentwicklung. Wie so viele Manager sieht er die Versicherungsbranche vor einem epochalen Wandel. “Zunehmend muss mit Annahmen gearbeitet werden, die keine hundertprozentige Sicherheit liefern”, schreibt Libor. “Das liegt nicht unbedingt in der DNA eines Versicherungsplayers – und auch nicht in der DNA der Zurich.” Libor will mehr “Macher” im Unternehmen haben, Menschen, die Entscheidungen treffen, ohne vorher genau zu wissen, wie es ausgeht.

Das Wort Fehlerkultur nehmen die Versicherer seit 2015 in den Mund. Der Begriff wanderte Anfang der 1990er Jahre aus der Psychologie und Schulpädagogik in die Wirtschaft. Wenn ein Kind ständig Angst vor Fehlern hat, macht es nie etwas richtig. Dieses Denken soll nun in die Silos der Fachabteilungen einziehen. Für die konservativen Versicherer ist das eine regelrechte Kulturrevolution.

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Weitere Themen im Blick von VWheute:

VHV: Kostendruck muss keine Stellen kosten
Die VHV Vereinigte Hannoversche Versicherung schneidet auch im zu Ende gehenden Geschäftsjahr 2016 “außergewöhnlich” positiv ab, übertrifft klar ihre Ergebnisziele und liegt deutlich besser als der Markt. Mit diesen Worten beschreibt Vorstandschef Uwe H. Reuter bei einem ersten Rückblick den Jahresverlauf. Die Mitarbeiter werden für ihre Leistung mit voraussichtlich mehr als zwei Bruttomonatsgehältern belohnt.

Zurich sucht das “natürliche Verfallsdatum” des Menschen
Die Lebenserwartung des Menschen steigt. Das ist an sich nichts Neues, angesichts des medizinischen Fortschritts und der gesünderen Ernährung. Doch inwieweit ist Langlebigkeit – zumindest in Deutschland – ein versicherbares Risiko? Diese Frage will die Zurich in einer eigenen Studie beantworten – mit eher wenig überraschenden Antworten.

Bundesbank sieht Garantieverbot als Vorteil
Das im geplanten Betriebsrentengesetz vorgesehene generelle Verbot von Garantien für reine Beitragszusagen des Arbeitgebers wird von der Deutschen Bundesbank aus Gründen der Finanzstabilität begrüßt. “Mit der Enthaftung des Arbeitgebers beim Sozialpartnermodell werden die Risiken auf die Masse der Arbeitnehmer verlagert”, sagt Johannes Clemens, stellvertretender Leiter der Abteilung Öffentliche Finanzen bei der Bundesbank.

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