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Rübenacker der Regulierung

14.07.2016 – BaltzerVon VWheute-Redakteur Christoph Baltzer. „Sieg für den Verbraucherschutz“, jubelt der BVK. „Gericht bestätigt Geschäftsmodell“, verkündet Check 24. In dem Streit zwischen den gestandenen Versicherungskaufleuten des BVK und dem Online-Makler Check24 über Beratungspflichten im Internet sehen sich beide als Sieger. Die Scharmützel an der Vertriebsfront nützen dem einen so wenig wie dem anderen.

Weil der Verbraucher sich nicht als so mündig erwiesen hat, wie man noch bei der Liberalisierung der Versicherungsmärkte gedacht hat, zieht man in Deutschland und Europa die Zäune der Regulierung immer höher, Mifid hier, Priip da, von der IDD ganz zu schweigen. Die Konsequenz: Das Geschäft flieht sukzessive ins Internet, wo alles viel schneller, viel smarter und viel leichter zu handhaben ist.

Die Offline-Vermittler haben gestern einen knappen Punktsieg gegen den Marktführer in der Internet-Vermittlung erkämpft. Die Münchener müssen jetzt wohl noch das eine oder andere Fenster einbauen, das der Kunde wegklicken muss, bevor er zum Tarifvergleich kommt. Aufgeklärter werden die Kunden dadurch nicht, aber Check 24 könnte um den einen oder anderen Kunden ärmer werden.

“Dinge müssen erst einmal entstehen”, sagte Felix Hufeld auf einer Fintech-Konferenz der Finanzaufsicht am 28. Juni. Im Januar hatte der Bafin-Chef noch davor gewarnt, dass digitale Sandkastenspiele nicht in einem rechtsfreien Raum stattfinden dürfen. Die Kehrtwende des Bafin-Chefs gründet auf der Einsicht, dass Vertrauen durch immer mehr Vorschriften und Gesetze eher erstickt als gefördert wird. Die Zahl der Menschen, die einem Vergleichsportal vertrauen, ist doppelt so hoch wie bei traditionellen Versicherungsvertretern, ergab eine Umfrage von Bitkom. Das sollte auch dem BVK zu denken geben.

Anfang 2014 hatte Eiopa Empfehlungen für gute Praktiken bei Vergleichsportalen gegeben. Die Europäische Aufsichtsbehörde sorgt sich darum, dass nur auf die Prämie geschielt wird und der eigentliche Versicherungsschutz aus dem Blick fällt. Zu recht. Ein Teil der Bürger hat eine ungefähre Vorstellung, was ihn sein Versicherungsschutz kostet, doch ob er einen Mercedes in seinem Versicherungsordner hat oder einen Trabant, weiß er nicht und will er im Grunde auch nicht wissen.

Die Smartphone-Zombies von heute verstehen von Finanzprodukten nicht viel mehr als ihre Eltern. Die Konsequenz wäre die Rückkehr zur Produkt-Regulierung. Und wir befinden uns schon längst auf diesem Trip. Einen weiteren Schritt zurück geht die Priips-Richtlinie. Für die Versicherungsbranche wäre es nur wünschenswert, dass der beschwerliche Marsch der Reregulierung nicht in einem Rübenacker endet. Keep it simple! (siehe POLITICS, DOSSIER)

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