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Risikomanagement auf Steinzeitniveau

29.04.2016 – coface_arena_tdVersicherer verdienen ihr Geld bekanntlich mit dem Sicherheitsbedürfnis ihrer Kunden. Um diesem Sicherheitsbedürfnis gerecht zu werden, bedarf es naturgemäß eines seriösen Risikomanagements – wenn man das Risiko kennt. Denn: “Heute sind wir in der Risikoidentifikation relativ schlecht”, konstatiert Roland Franz Erben, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Stuttgarter Hochschule für Technik.

Eine entscheidende Voraussetzung aus Sicht des Wirtschaftspsychologen: “Wenn wir Modelle bauen wollen, die die Realität abbilden, setzt dies natürlich voraus, dass wir diese Realität auch kennen”. Das Problem dabei seien vielmehr die “schwarzen Stellen, welche in der Realität vorkommen, aber in unseren Modellen fehlen”. Diese sind dann die “unbekannten Unbekannten, die uns immer wieder überraschen”, konstatiert Erben auf dem Coface-Länderkongress in der Mainzer Coface-Arena.

Wie schwierig die Identifikation von Risiken derzeit für die Versicherer und die Unternehmen ist, zeigt ein Blick rund um den Globus. So ist der Katalog an Risiken allein in diesem Jahr um einige Seiten dicker geworden – allen voran: die Schwäche der Emerging Markets, die volatilen Rohstoffpreise und sowie die militärischen Konflikte und die weitgestreuten politischen Risiken (siehe MÄRKTE).

Ein “ganz neues Phänomen” ist für den Coface-Experten Mario Jung die Erkenntnis, dass “sogar eine US-Präsidentschaftswahl derzeit als politisches Risiko” wahrgenommen wird. Kein Wunder angesichts des Programms der “Trumpononomics”, mit dem der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump im Falle eines Wahlsieges im November die nationalen Interessen der USA wieder stärker in Fokus stellen will.

Die Folge wären gravierende Verschiebungen zwischen den Kontinenten mit spürbaren Auswirkungen für die Versicherer. Denn der gigantische US-Markt ist für die europäischen Versicherungskonzerne keine quantité negligable. Denn allein der Rückversicherer Munich Re bekommt ein Fünftel seines Geschäfts aus den USA, bei der Swiss Re stammt sogar jeder dritte Prämiendollar aus Übersee (siehe DOSSIER).

Kurzum: Die derzeit größten Risiken für die Versicherer sind aktuell der Nullzins, die geopolitischen Risiken sowie die währungspolitischen Risiken, brachte Mauro Toldo, Leiter Emerging Markets/Länderrisikoanalysen der Dekabank, auf dem Coface-Länderkongress die aktuellen Herausforderungen für die deutschen Unternehmen und deren Versicherer auf den Punkt.

Gleichzeitig haben nur 15 Prozent der Versicherer ein Compliance-Risikomanagement in ihre Unternehmensstrategie aufgenommen. Ein Grund: derartige Regulierung wird hauptsächlich als Kostenfaktor oder gar Bedrohung der Geschäftstätigkeit gesehen, so ein Befund der Boston Consulting Group (siehe MÄRKTE).

Fazit: Dass kalkuliertes Risiko dennoch zum Erfolg führen kann, bewies der einstige österreichische Erfolgstrainer Ernst Happel. Sein Credo: “Ich lebe mit dem Risiko, ich liebe Risiko. Das ist mein Naturell”. (td)

Bild: Länderkongress der Coface in der Mainzer Fußballarena: Ist kalkuliertes Risiko ein Erfolgsmodell für Versicherer? (Quelle: td)

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