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“Money for Nothing”

11.03.2016 – draghi_World_Economic_Forum“Money for Nothing” lautet ein Welthit der britischen Band Dire Straits aus dem Jahr 1985. Heute scheint dieser Satz zum neuen Motto der EZB geworden zu sein. Denn die europäischen Notenbanker um Mario Draghi haben mit ihrer gestrigen Entscheidung für eine handfeste Überraschung unter den Marktteilnehmern gesorgt. Während der Dax mit einem Strohfeuer reagiert, sprechen Experten bereits von einer Sackgasse.

Es war ein Paukenschlag, zu dem die EZB am gestrigen Donnerstag ausholte. Während der Einlagenzins erwartungsgemäß um 0,1 Prozentpunkte auf -0,4 Prozent gesenkt wurde, wird das Anleiheprogramm noch deutlich ausgeweitet. Ab April will die europäische Notenbank das Volumen ihrer Anleihekäufe von 60 auf 80 Mrd. Euro ausweiten. Zudem will die EZB künftig auch Unternehmensanleihen erwerben. Für eine handfeste Überraschung sorgte hingegen die Entscheidung, den Leitzins von bislang 0,05 Prozent auf null Prozent zu senken.

“Stellen Sie sich vor, wir geben einfach auf, was den Kampf um Preisstabilität angeht. Sie haben dann statt Inflation Deflation. Eine der schlimmsten Auswirkungen von Deflation besteht darin, dass das reale Gewicht der Schulden verändert wird”, verteidigte Draghi die EZB-Entscheidung vor den versammelten Pressevertretern. Beobachter werten die Entscheidung hingegen bereits als “Verzweiflungstat”.

“Die EZB beschleunigt ihre geldpolitische Irrfahrt. Die heutige Zinsentscheidung der EZB verstärkt den Abwärtsstrudel für die Sparer. Langfristige Altersvorsorgekonzepte werden ebenso entwertet wie zinsabhängige Institute in risikoreichere Geschäfte gedrängt werden”, kritisierte Liane Buchholz, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB), die Entscheidung der Notenbank. Auch die Versicherungswirtschaft sieht die Geldpolitik der EZB mit “größter Sorge” (siehe DOSSIER).

Kein Wunder, leiden die Versicherer doch bereits seit längerem unter der Niedrigzins-Politik. Selbst die Kassen leiden bereits unter den Auswirkungen, da deren Rücklagen eigenen Angaben zufolge in den Gesundheitsfonds negativ verzinst werden. So rufen bereits erste Kassen nach staatlicher Unterstützung – finanziert aus Steuergeldern und damit aus den Taschen derer, die auf eine medizinische Versorgung angewiesen sind.

Fazit: Die Angst des Sparers und des Versicherers vor dem schleichenden Gift des Negativzinses hat jedenfalls neue Nahrung erhalten. Doch “Geldpolitik alleine kann nicht zu einem ausgewogenen Wachstum führen”, meint der frühere EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark. (td)

Bild: EZB-Präsident Mario Draghi dreht weiter am Geldhahn (Quelle: WEF)

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