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“Die Renditen der Lebensversicherung sind immer noch mehr als vorzeigbar”

05.06.2014 – Poweleit_ManfredManfred Poweleit im Exklusiv-Interview mit VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte

Manfred Poweleit, Herausgeber des wöchentlichen map-reports sowie zahlreicher Rating-Veröffentlichungen, ist einer der profiliertesten Kenner der deutschen Versicherungslandschaft. Er hat eine exponierte Meinung, was die Niedrigzinspolitik der EZB betrifft. Für ihn sind die Maßnahmen schlichtweg verbraucherfeindlich.

Er fordert ein Ende der Enteignung deutscher Sparer. Am heutigen Donnerstag wird die EZB voraussichtlich eine weitere Absenkung des Leitzinses von 0,25 auf 0,10 Prozent sowie zusätzliche Szenarien, wie möglicherweise Strafzinsen für Banken, bekanntgeben.

VWheute: Was bedeutet die Zinssenkung der EZB für die Lebensversicherung?

Poweleit: Unmittelbar hat das kaum Auswirkungen auf die Lebensversicherung, sofern verantwortungsbewusste Kapitalanlage-Vorstände in den Unternehmen die Weichen richtig gestellt haben. Davon gehe ich in den meisten Fällen auch aus. Wir brauchen dennoch endlich ein Ende der verbraucherfeindlichen Niedrigzinspolitik, mit der Verbraucher enteignet werden. Die Bürger, die dringend vorsorgen müssten, werden für die Geldvergeudung der Politik bluten müssen. Wann gehen die Versicherten auf die Straße?

VWheute: Was halten Sie von Strafzinsen für Banken, also einem negativen Einlagenzins von 0,1 Prozent. Hat das Konsequenzen für die Sparer?

Poweleit: Strafzinsen für Banken sind ähnlich sinnlos wie die ganze Niedrigzinspolitik, verschärfen aber die Probleme noch zusätzlich. Ich wundere mich immer wieder über den Reichtum an Phantasien, um den Sparer zu schädigen.

VWheute: Fachleute sagen, dass niedrige Leitzinsen den Sparer für die europäische Solidarität rund fünf Prozent Guthabenzins kosten. Stimmen Sie dem zu?

Poweleit: Das ist keine europäische Solidarität, sondern nur ein Opfer für Geldvergeudung der Politik. Mehrere Fachleute, wie die neue Fed-Chefin Yellen und Vertreter der Sparkassen haben sich zu den Niedrigzinsen sehr kritisch geäußert, können sich aber wohl nicht durchsetzen. An der Spitze der EZB sitzt der Vertreter des hochverschuldeten Italien, der IWF wird von der Vertreterin des hochverschuldeten Frankreichs geleitet. Beide haben wohl kein Interesse an verbrauchergerechten Zinsen.

VWheute: Was glauben Sie, wie lange hält die Niedrigzinsphase noch an?

Poweleit: Die Niedrigzinsphase wird erst enden, wenn wir hochwertige Geld- und Finanzpolitik bekommen. Das kann dauern. Die meisten Politiker ducken sich bei diesem Thema leider weg. Ich jedenfalls sehe zurzeit nicht einmal einen Streifen Hoffnung am Horizont. Arme Sparer, deren mühselig angesammeltes Geld immer stärker an Wert verliert.

VWheute: Können aus Ihrer Sicht die Lebensversicherer die Gewinnbeteiligung für die kommenden Jahre trotz aller Widrigkeiten halten?

Poweleit: Die Gewinnbeteiligungen sind auch bei 1,25 Prozent Garantiezins ab dem nächsten Jahr nicht gefährdet, denn ein Lebensversicherer ist nicht gezwungen, Staatstitel zu kaufen. Er hat eine ganze Reihe anderer profitabler Anlagemöglichkeiten. Derweil sind die Renditen für die Verbraucher, deren Policen zum Ende dieses Jahr fällig werden, immer noch mehr als vorzeigbar. So im Marktdurchschnitt 4,79 Prozent bei 30 Jahren Laufzeit, Spitzenwerte gehen sogar bis 5,80 Prozent Rendite. Selbst die kurzläufige zwölfjährige, deren Laufzeit fast ausschließlich in der staatlich zu verantwortenden Niedrigzinsphase lag, bringt im Schnitt noch 3,16 Prozent und in der Spitze bis 4,32 Prozent.

VWheute: Die Menschen sind verunsichert. Was können Sie ihnen raten?

Poweleit: Die Rentabilität des Vorsorgesparens wird auch in Zukunft erheblich von der Qualität der Politik abhängen. Niedrige Zinsen zur Finanzierung von Staatsverschuldungsorgien bleiben verbraucherfeindlich. Klar ist heute nur eines. Wer sich von den Debatten um die Lebensversicherung anstecken lässt und auf sichere und verständliche Vorsorgeprodukte verzichten möchte, muss sich über die künftigen Rentabilitäten erst gar keine großen Gedanken machen. Wer auf 100 Euro Monatsbeitrag verzichten möchte, dem fehlen nach 30 Jahren immerhin 36.000 Euro Einzahlungsleistung.

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