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Konsequenzen der Konsequenz

18.09.2015 – BaltzerKommentar von VWheute-Redakteur Christoph Baltzer. Konsequenz war schon immer die Stärke von Baloise-Chef Martin Strobel. Folgerichtig schickt er das klassische Lebensversicherungsgeschäft in den offenen Run-Off. Die Baloise entledigt sich mit dem Verkauf so mancher Sorgen, doch für das Image ist die Entscheidung pures Gift.

Vor harten Entscheidungen hat Martin Strobel nie zurückgeschreckt. Jetzt verkauft er einen Teil des deutschen Lebensversicherungsgeschäfts an Fosun (siehe UNTERNEHMEN). Vier Monate vor der Scharfschaltung von Solvency II wollen die chinesischen Investoren sich im deutschen Run-Off-Geschäft etablieren. Sie konkurrieren mit Heidelberger Leben (Hannover Rück, Cinven), Delta Lloyd (Athene Holding) und Darag.

Bislang scheuen die Lebensversicherer vor dem ganz harten Schnitt mit der Vergangenheit zurück. Zu groß erscheint der Image-Verlust: Kann man einem Unternehmen vertrauen, das seinen alten Geschäften nicht mehr traut? Ergo geht den halben Weg und wickelt die Victoria in Eigenregie ab. Geschäftsberichte der Victoria Leben gibt es seitdem nur noch auf Nachfrage.

Viele Abwickler, wenig Abwicklungswillige gibt es derzeit. Doch mit der Not steigt auch der Mut unter den Managern der Lebensversicherer. Die Ausländer haben vor der harten Abwicklung weniger Manschetten als die deutschen Lebensversicherer. So wird die Frage, mach ich‘s selbst oder überlasse ich es einem Profi, zum kühlen Rechenspiel.

Bafin-Chef Felix Hufeld begrüßt die Abwickler als eine weitere Option, um die Handlungsfähigkeit der Lebensversicherer zu erhöhen. Doch man vergisst schnell, dass unter diesen Transaktionen nicht nur das Image der jeweiligen Gesellschaft leidet, sondern das Produkt an sich. Was denken die Kinder der betroffenen Kunden, wenn ihre Eltern nicht mehr bei der Pfefferminzia versichert sind, sondern bei einer No-Name-Gesellschaft? Vertrauen schafft man so nicht. (ba)

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