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Keine Garantien mehr

17.06.2016 – BaltzerVon VWheute-Redakteur Christoph Baltzer. Immer tiefer frisst sich die Zinszusatzreserve in die Lebensversicherer rein. Schon in drei Jahren werden die Bewertungsreserven nicht mehr ausreichen, das Altgeschäft abzusichern. Viel zu lange hat man hierzulande an der traditionellen Form der Lebensversicherung festgehalten. Das rächt sich.

Selbst die übelsten Schwarzseher hätten eine derartig deplorable Situation nicht vorherzusehen gewagt. 14 bis 15 Milliarden Euro müssen die Lebensversicherer in diesem Jahr für die Zinszusatzreserve aufbringen, das ist mehr, als sie aus dem Rohüberschuss erwirtschaften können.

Im Februar 2005 wollte der ehemalige GDV-Präsident und Chef der Karlsruher (jetzt Württembergischen Leben), Bernhard Schareck, Korrekturen an der klassischen Lebensversicherung vornehmen und Adjustierungsmechanismen für die Zinsgarantien einführen. Er traf auf massiven Widerstand bei den Versicherern und musste seine Äußerungen widerrufen. Eine Versicherung ohne Garantien? Undenkbar. “Wenn wir die Garantien abschaffen, schaffen wir unser Geschäftsmodell ab”, sagte Schareck später.

Die Lebensversicherer haben reagiert, spät zwar, aber mit beachtlichem Erfolg. Ein Neugeschäft von 252,2 Mrd. Euro Versicherungssumme akquirierten die 90 am Markt verbliebenen Unternehmen im vergangenen Jahr, das war das fünftbeste Jahr der Geschichte. Die Stückzahlen gehen zurück (zuletzt fünf Millionen, weniger als halb so viel wie im Boomjahr 2004), doch dafür steigen die Summen. Mit Beitragseinnahmen von 86,9 Mrd. Euro liegen die Lebensversicherer immer noch um Längen vor den Fondsgesellschaften. In guten Jahren wie 2015 vertrauen Privatanleger gut 70 Mrd. Euro (netto) den Fonds an (siehe MÄRKTE).

Neuer Verkaufsschlager der Lebensversicherer sind die Indexpolicen, kompliziert, aber zum großen Teil Lebensversicherung und zum großen Teil immer noch Klassik. Die Marke Lebensversicherung zieht. Doch die Konzepte gehen noch lange nicht weit genug. Run-off? Wer im Langfristgeschäft erfolgreich sein will, sollte weiter denken.

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