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Inga Beale laufen die Syndikate davon

21.10.2016 – Inga Beale_LloydsNach 100 Tagen im Amt ist die britische Premierministerin Theresa May erstmals bei einem EU-Gipfel. Wie der Brexit vollzogen wird, verrät sie nicht. Noch hat sie das Austrittsschreiben nicht im Gepäck. Das erzürnt besonders die Versicherer auf der Insel. Die EU könnte als eine Art Schikane Großbritannien die Solvency-II-Äquivalenz absprechen. Lloyd’s-CEO Inga Beale will deshalb direkte Brexit-Gespräche mit der EU-Kommission führen, denn große Syndikatsgruppen wollen eigene EU-Vorschaltgesellschaften gründen.

Britische Finanzdienstleister müssen sich auf eine ganze Reihe von Szenarien einstellen. Diese reichen von einem Soft-Brexit (de facto fortgesetzte EU-Mitgliedschaft, wenn auch stimmrechstlos, somit weiterhin Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit) über den Hard-Brexit (Großbritannien wird Drittland, möglicherweise unter Abspaltung von Schottland und Nordirland) bis zu einem Ultra-Hard-Brexit. Im zweiten Fall könnten Unternehmen aus der Londoner City ihre drohende Markt-Ausgrenzung durch Schaffen von frontenden EU-Tochtergesellschaften vermeiden. Letzteres ginge aber dann nicht, wenn unter dem dritten Szenario auch noch die regulatorische Äquivalenz verweigert würde, dann könnten die neuen EU-Töchter nicht mehr mit der Anerkennung der Zessionen nach Großbritannien unter z.B. Solvency II rechnen (siehe UNTERNEHMEN).

In einer gereizten politischen Atmosphäre meint Lloyd’s, mit der EU eine separate Abmachung erzielen zu können. Aber Lloyd’s ist anders als etwa der Vatikan kein Völkerrechtssubjekt und dürfte kaum als eigenständiger Verhandler ernstgenommen werden. Lloyd’s-Chairman John Nelson erklärt im Gespräch mit VWheute, dass man nach einem alternativem Standbein in der EU suche, aber vorerst auf Passporting Rights setze, jene Rechte, die es Finanzinstituten erlauben, von London aus Geschäfte mit der EU zu machen (siehe DOSSIER).

Für Lloyd’s hängen nicht nur die etwa 20 Prozent auf die Rest-EU entfallenden Prämienvolumina von der künftigen Positionierung ab. Noch gefährlicher würde es für den Markt, sollten die großen Syndikatsgruppen eigenständige EU-Vorschaltgesellschaften gründen und das kontinentale Geschäft künftig an Lloyd’s vorbei zeichnen. Dies könnte der Anfang vom Ende von Lloyd’s werden, d.h. anschließend würden derartige separatistische Organisationen auch anderweit eingeführt werden, etwa in den USA: Sollte Lloyd’s ein drittes Mal ins existentielle Schleudern kommen (wie 1993 und 2001), so wäre die Motivation der großen Syndikatsgruppen, sich für eine Rettung der Gesamtorganisation zu engagieren, eher gering. (cpt)

Bild: Inga Beale, Vorstandsvorsitzende von Lloyd’s (Quelle: Lloyd’s)

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