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Generali: Kein Stein bleibt auf dem anderen

23.11.2016 – giovanni_liveraniEs soll nur 26 Sekunden dauern – so steht es im Internet – bis bei den Generali Versicherungen ein Kundenberater am Telefon ist. In dieser Zeit könne man knapp dreimal “Fischers Fritzchen” sagen. Tatsächlich waren es dann 70 Sekunden, bis eine nette Dame den Hörer abnahm. Das dürfte aber nur das kleinste Problem für die Generali Deutschland sein mit ihren rund 17,8 Mrd. Euro Beitragseinnahmen und 13,5 Millionen Kunden.

Während heute in London Alberto Minali, General Manager und Group CFO der weltweit tätigen Generali Group, vor Analysten und Investoren die überwiegend guten Zahlen nach Abschluss des dritten Quartals 2016 präsentiert, steckt der Deutschlandableger noch mittendrin im von Vorstandschef Giovanni Liverani verordneten dynamischen Umbau.

Der Ingenieur für Industrietechnik mit Studium an der Politecnico di Milano steht für neue Wege in der Versicherungslandschaft. Seine Devise: “Wenn wir uns nicht selbst neu erfinden, werden es andere für uns tun!” – Kein Stein soll mehr auf dem anderen stehen bleiben. Das sorgte zwangsläufig in der Belegschaft für Unruhe und hatte auch aus Kostengründen den Abbau hunderter Arbeitsplätze zur Folge. Mit einer neuen Serviceeinheit in Leipzig sollen weitere Personalkosten eingespart werden.

Das große Aufräumen begann bereits 2009 mit der Fusion der Hamburger Volksfürsorge mit den Münchener Generali Gesellschaften, der Verlegung der Holding von Köln nach München und deren strukturellen Neuordnung, der Neugründung der Volksfürsorge Vertriebs AG und wiederum deren Auflösung nach nur wenigen Jahren. In der privaten Lebensversicherung hat sich die Generali vom Makler-Geschäft verabschiedet, was sehr viel Unverständnis bei freien Vermittlern hervorgerufen hat. Diese sollen sich nunmehr an die “kleine, aber feine” Dialog in Augsburg wenden.

Inzwischen wird auch der rund 3.000 Kopf starke angestellte Außendienst infrage gestellt. Erfolgreiche Mitarbeiter werden in den selbstständigen Exklusiv-Vertrieb gelockt. Die Angestellten-Organisation ist also offensichtlich ein Auslaufmodell. Unruhe gibt es auch bei den selbstständigen Handelsvertretern, die um die Höhe ihrer Provisionseinnahmen bangen. Wechsel auf der Führungsebene sind im Münchener Adenauerring inzwischen zum Alltag geworden. Jüngstes Beispiel: Monika Sebold-Bender verlässt zum Ende des Jahres die Vorstandsetage und geht sturmerprobt zur Ergo.

Auf der Produktseite setzt Liverani auf eine “Smart Insurance-Offensive” als Vorreiter der digitalen Transformation. Renner ist “Generali Vitality” mit der Tennis-Lady Angelique Kerber als Markenbotschafterin. BU- und Risikolebensversicherungen sind mit einem anspruchsvollen Gesundheitsprogramm gekoppelt, das sich bei Erfolg auf die Prämien auswirkt. Datenschützer warnen schon. Auch mit Telematik-Tarifen in der Kfz-Versicherung will die Generali groß punkten.

Italien sei ein gutes Beispiel dafür. Allerdings darf nicht übersehen werden, dass dort die konventionellen Prämien erheblich höher sind als im Autofahrer-Land Deutschland und dort größere Spielräume bieten. “Smart Protect” ist ein weiteres Stichwort. Im sogenannten Komfortschutz der Hausratversicherung vernetzt ein innovatives Sicherheitspaket die eigenen vier Wände. Ob das alles der große Wurf wird, bleibt ungewiss.

In der Lebensversicherung spricht die Generali von einer “neuen Normalität”. Der Vertrieb konventioneller Sparprodukte ist drastisch reduziert und durch fondgebundene und hybride Versicherungen ersetzt worden. Auffällig ist dabei, dass die laufende Verzinsung in der Lebensversicherung mit 2,25 Prozent weit unter der der anderen Gruppen-Gesellschaften Aachen-Münchener, Cosmos und Dialog liegt (jeweils drei Prozent). Aufhorchen ließ deshalb die veröffentlichte Aussage Minalis, notfalls mit einer Kapitalspritze der Generali Leben zu helfen. Solvency lässt grüßen.

In einem Interview mit dem Business- und Managemenmagazin Versicherungswirtschaft äußerte sich Liverani zum Thema Versicherungsethik: “Wenn wir über Menschen und ihre Versicherungen sprechen, dann geht es stets auch um Ethik. Wir leben in der Generali Gruppe vier Werte: Verlässlichkeit unserer Versprechen, Offenheit bei der Betrachtung der Dinge, Wertschätzung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Gesellschaft aktiv zu leben – innerhalb der internationalen Generali Gruppe, aber auch als Corporate Citizen”. An diesen Worten wird sich der eloquente Manager messen lassen müssen. Es darf mit Spannung der weitere Weg der Generali beobachtet werden (siehe DOSSIER). (wo)

Bild: Giovanni Liverani (Quelle: Generali)

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