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GDV-Präsident Erdland im Exklusivinterview zu Provisionen: „Keine Denkverbote”

22.08.2013 – erlandMit seinen Vorschlägen zur Deckelung der Vermittlerprovisionen hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in der Branche eine lebhafte Diskussion in Gang gesetzt. Während sich die meisten Versicherer noch nicht eindeutig positionierten, haben Vermittler und Makler inzwischen offen Opposition bezogen. In einem Exklusiv-Interview verdeutlicht nun GDV-Präsident Alexander Erdland die Position des Verbandes.

Herr Erdland, der GDV hat mit seinem Vorstoß für eine Begrenzung von Vermittlungsprovisionen viel Wirbel ausgelöst. Warum haben Sie diese Diskussion angestoßen?

Wir haben das Thema nicht erfunden, sondern drängende Fragen dazu aufgegriffen. Der ökonomische Rahmen hat sich fundamental geändert – Stichwort Niedrigzinsen. Die Kosten für Altersvorsorgeprodukte stehen mehr denn je im Blickpunkt von Politik, Kunden und Verbraucherschutz. Deshalb darf es bei uns keine Denkverbote geben – auch nicht in solch zentralen Punkten wie den Vertriebskosten. Die Meinungsbildung in der Branche steht aber noch am Anfang, die Diskussion wird gründlich und mit allen Beteiligten geführt. Das braucht Zeit.

Wollen Sie einer zu strengen Regulierung nach der Bundestagswahl zuvorkommen?

Es geht darum, als Branche zu einer gemeinsamen Position zu kommen für den anstehenden Dialog mit der Politik. Wer sich die Wahlprogramme der Parteien zur Bundestagswahl oder die Diskussionen über die Umsetzung der EU-Vermittlerrichtlinie anschaut, sieht, dass das Thema Provisionen dort längst angekommen ist. Auf nationaler Ebene gibt es sogar ganz konkrete politische Ansätze: So hat etwa das Bundesfinanzministerium auf Bitte des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages kürzlich eine Studie in Auftrag gegeben, die sich mit der Kostenbegrenzung bei Riester-Produkten beschäftigt. Wenn wir uns hierauf nicht vorbereiten würden, hätten wir als Branchenverband unseren Auftrag verfehlt.

Ihr Vorstoß hat bei einigen Vertrieben für erhebliche Aufregung gesorgt. Ist eine Provisionsbegrenzung nun der Anfang vom Ende des provisionsbasierten Vertriebs?

Nein, wir sind von der Stärke des Provisionsvertriebs überzeugt. Dieser hat sich aus Sicht der Kunden über viele Jahrzehnte bewährt. Ohne aktive Ansprache durch einen Vermittler würden sich viele Menschen nicht ausreichend absichern. Gerade deshalb ist es unsere Verantwortung, das System mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen weiterzuentwickeln.

Foto: Präsident des GDV und Vorsitzender des Vorstandes der Wüstenrot & Württembergische AG, Stuttgart, Dr. Alexander Erdland

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