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Flügelschläge der Wirtschaft: Globale Risiken belasten das Exportgeschäft

21.07.2016 – Thomas-Langen_AtradiusVon Atradius-Manager Thomas Langen. Kennen Sie den Schmetterlingseffekt? Er besagt, dass in einem komplexen System selbst kleinste Veränderungen weitreichende Folgen haben können. Als Sinnbild gilt die Frage des US-Mathematikers und Meteorologen Edward N. Lorenz, der Forschungen zu diesem Thema in den 1960er Jahren angestellt hat: „Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?“

Im übertragenden Sinn tut insbesondere die deutsche Wirtschaft (DOSSIER) gut daran, auf der ganzen Welt Ausschau nach solchen politischen und ökonomischen „Flügelschlägen“ zu halten: Als stark exportorientierte Wirtschaft ist sie den Veränderungen auf der ganzen Welt besonders stark ausgesetzt. Neben wirtschaftlichen Risiken wie erhöhte Insolvenzzahlen z.B. in Italien, Griechenland und Portugal sind zuletzt neue politische Krisen in Europa und dem Rest der Welt hinzugekommen. Wie sehr sich die Zahlungsausfallrisiken für deutsche Exporteure insgesamt erhöhen werden, entscheiden mehrere Faktoren.

Zum Beispiel China. Die Wirtschaft im Reich der Mitte schwächelt. Geht das Wachstum auf unter fünf Prozent zurück, könnte das auf allen Kontinenten gravierende Folgen haben. Der Welthandel würde spürbar abflauen, Rohstoffpreise weiter niedrig bleiben und die Gefahr von Turbulenzen an den Finanzmärkten weiter zunehmen.

Auch die Geldpolitik der FED hat hierzulande großen Einfluss: Verläuft die Anpassung der Zinsen durch die US-Notenbank zu aggressiv und wird nicht marktgerecht kommuniziert, drohen Kapitalabflüsse aus den Schwellenländern. Die dadurch entstehenden Schwierigkeiten bei der Finanzierung würden vor allem Unternehmen in Ländern wie China und Brasilien weiter belasten.

In Europa ist es eine der zentralen Fragen, ob das Wachstum trotz der lockeren Geldpolitik der EZB (POLITICS) moderat bleibt. In diesem Fall dürfte das Risiko von politischen Unsicherheiten, wie sie zuletzt beispielsweise durch das Brexit-Votum entstanden sind, weiter zunehmen. Auch den Ölpreis gilt es im Blick zu behalten. Die Industrienationen haben von dem anhaltend niedrigen Ölpreis profitiert. Sollte sich der Rohstoff kurzfristig stark verteuern, wären auch viele Länder in der Eurozone durch deutlich höhere Importpreise betroffen.

Letztlich könnte auch ein Ausgabenstopp und eine erhöhte Haushaltsdisziplin von Unternehmen und Staaten in den Industrienationen ein weiterer möglicher „Flügelschlag“ sein, der das Wachstum massiv hemmen würde. Es gilt also, die Augen offen zu halten.

Bild: Thomas Langen ist Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa, beim Kreditversicherer Atradius

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