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Erstversicherer testen alternativen Risikotransfer

15.05.2014 – baltzer-150Von Christoph Baltzer. Im Mai werden 2,2 Mrd. US-Dollar an Rückversicherungsrisiken in Form von Verbriefungen auf den Märkten platziert. Der von den niedrigen Zinsen befeuerte Boom der ILS-Märkte ermutigt immer mehr Erstversicherer, es auch mit alternativem Risikotransfer zu versuchen. Den Rückversicherern droht damit ihr Brot-und-Butter-Geschäft verloren zu gehen.

Erstmals in ihrer Geschichte hat im April die Generali einen Cat Bond platziert. Generali-Chef Mario Greco krempelt nicht nur im Konzern so gut wie alles um, sondern geht auch im Risikomanagement neue Wege. Mit Hilfe von Guy Carpenter und der Munich Re platzierte der italienische Versicherungsriese eine Anleihe über 190 Mio. Euro. Er sichert die Generali gegen Sturmschäden in Europa ab, auf Indemnity-Basis. Der Schaden wird also nicht anhand von unabhängigen Parametern definiert, sondern bemisst sich an der konkreten Schadenbelastung der Generali durch so ein Ereignis. 2,5 bis drei Prozent stehen auf dem Coupon dieses Papiers, das für Investoren eigentlich vergleichsweise risikobehaftet ist. Wer würde bei solchen Konditionen nicht auf dieses Instrument zurückgreifen?

Wie schwierig die Rückversicherungsmärkte derzeit sind, spüren vor allem die Großen. Münchener Rück und Hannover Rück verzeichneten im ersten Quartal Prämienrückgänge und es deutet derzeit nichts darauf hin, dass sich daran im Laufe des Jahres etwas ändern wird. Swiss Re wächst, aber nur, weil die Quotenrückversicherung mit Berkshire Hathaway ausgelaufen ist. Die Bruttoprämie steigt bei den Schweizern nur geringfügig. Die kleineren Rückversicherer wachsen hingegen, angefangen bei der Scor über Partner Re und XL bis hin zu Catlin, Everest Re und RGA. Sie kommen besser mit dem sinkenden Markt zurecht als die Marktführer und sind vielleicht auch zu mehr Eingeständnissen beim Preis bereit.

Vor neun Jahren hatte der damalige Swiss-Re-Chef John Coomber einen Blick auf sein Unternehmen im Jahre 2015 geworfen. Es würde sich dann vom Rückversicherer zu einem Portfolio-Manager gewandelt haben, prophezeite der Kybernetiker. Er hatte damit nicht Recht, trotzdem lag er richtig. Analysten der Investmentbank Citi sehen in dem ILS-Markt eine „disruptive Innovation“, die Rückversicherung simpel und leicht erwerbbar macht. Rechnerisch sind Verbriefungen derzeit noch günstiger zu haben als die ohnehin kostengünstige Rückversicherung (siehe DOSSIER). Jetzt spielen auch regionale Versicherer in Deutschland mit dem Gedanken, sich auf dem ILS-Markt einzudecken. Rückversicherer machen gute Miene zum bösen Spiel und übernehmen den Part des strukturierenden Agenten. Doch es fragt sich, wie lange sie ihren Informationsvorsprung noch halten können. Die Makler sind auf dem Sprung (siehe MÄRKTE). (ba)

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