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Digitale Schattenwelten

28.07.2016 – internetderdinge_obs_ct“Der Weltraum, unendliche Weiten”, hieß es einst in der Kultserie “Raumschiff Enterprise”. Heute schreiben wir zwar “nur” das 2016. Doch die unendlichen Weiten des Internets und deren kriminelle Schattenwelten beschäftigen die Ermittlungsbehörden mittlerweile mehr denn je. Vor dem Hintergrund des Amoklaufs von München steht der Bericht des Bundeskriminalamtes zur Cyberkriminalität im Fokus der Betrachtung.

Ein Hauptaugenmerk der Kriminalbeamten liegt dabei vor allem auf dem sogenannten “Darknet” – dem anonymisierten Teil des Internets, in dem auch der 18-jährige Täter von München seine Waffe besorgt haben soll. Zugang erhalten für gewöhnlich nur diejenigen, welche die richtige Software dafür nutzen. Das Grundprinzip: Maximale Anonymität der Marktplätze und Foren sowie der Nutzer selbst, die ausschließlich über Pseudonyme miteinander kommunizieren.

Ein augenscheinlich idealer Tummelplatz also für allerlei kriminelle Aktivitäten wie den Handel mit Drogen und Waffen. So ermittelt das BKA nach eigenen Angaben im Darknet auch nach illegalen Schuss-, Kriegs- und Explosionswaffen. Zudem begünstigt der Handel über diese illegalen Plattformen auch die Beschaffung reaktivierter Schusswaffen, konstatieren die Ermittler. Dabei hat gerade in Deutschland und Europa der illegale Umbau sogenannter Dekorations- und Kunstwaffen zugenommen, konstatiert das BKA.

Der Chaos Computer Club versucht der dunklen Seite des Netzes allerdings dennoch eine positive Seite abzugewinnen. “Das Bedrohungsszenario, das von deutschen Behörden gezeichnet wird, ist nicht sehr realistisch”, betont Linus Neumann. So habe der Täter von München immerhin Monate für den Kauf der Waffe über Darknet gebraucht, so der CCC-Experte. In der realen Welt wäre dies wohl deutlich schneller gegangen. Auch der Umfang des Drogen- und Waffenhandels im Darknet sei weitaus geringer als außerhalb des Internets. Nicht zu vergessen: Auch politische Dissidenten in totalitären Regimen nutzen die Anonymität des Darknet, um unerkannt zu kommunizieren oder die Zensur zu umgehen.

Und dennoch: “Cybercrime ist nach wie vor ein wachsendes Phänomen – man könnte auch fast sagen, ein wachsendes Gewerbe, hier und da sogar eine wachsende Industrie”, betont BKA-Chef Holger Münch. Mit immensen Schäden, wie die Statistik der Behörde belegt. Allein 2015 registrierte die Polizei mehr als 45.000 Fälle von Internetkriminalität mit einem Schaden von über 40 Mio. Euro (siehe DOSSIER).

Ole Sieverding, Cyber-Experte des Spezialversicherers Hiscox, sieht jedenfalls Unternehmen wie Versicherer in der Pflicht: “Das Thema Cyber-Versicherung wird in Zukunft nicht mehr wegzudenken sein und bildet die dringend benötigte zweite Verteidigungslinie der Unternehmen.” Den Versicherern schrieb er ins Stambuch, sich nicht nur auf standardisierte Lösungen zu verlassen. “Daher müssen strukturelle Maßnahmen wie Krisenpläne und Assistance-Dienstleistungen wie Forensik und Krisen-Kommunikation grundlegende Bestandteile einer Cyber- und Datenpolice sein”, fordert der Experte (siehe KÖPFE). (td)

Bildquelle: obs/ c’t

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