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Diese Woche: Zwischen Risiko und Populismus

05.12.2016 – Risiko_lichtkunst.73_pixelioDie Abwägung und Versicherbarkeit von Risiken prägt das Geschäft der Versicherer von jeher. Doch die Unwägbarkeit der politischen Risiken bestimmt zunehmend auch das Alltagsgeschäft der Branche – Brexit und Trump lassen grüßen. Die aktuellen Urnengänge in Italien und Österreich tun letztlich ihr übriges. So spielen politische Erwägungen auch bei den Investmentstrategen der Versicherer eine immer größere Rolle.

Demnach werden die Konjunkturaussichten und Investmentrenditen zunehmend auch durch politische Erwägungen beeinflusst. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Global Private Equity Barometer von Coller Capital, der heute veröffentlicht wird. So glauben beispielsweise zwei Drittel der Private Equity-Investoren daran, dass ein “harter” Brexit negative Auswirkungen auf die EU haben könnte (siehe MÄRKTE).

So dürfte das gestrige “Renzirendum” in Italien für zusätzliche Unsicherheiten an den Finanzmärkten sorgen, würde die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone und damit auch die EU in neue zusätzliche Turbulenzen geraten. Zudem ist die Finanzsituation der italienischen Banken weiterhin äußerst angespannt, wie das Beispiel der Monte dei Paschi di Siena (MPS) zeigt.

Desto überraschender scheint die Entscheidung der Axa, ihre Kooperation mit dem krisengeschüttelten Bankhaus nach einem Bericht der Börsenzeitung um weitere zehn Jahre  zu verlängern. Banknahe Kreise sehen laut Bericht darin auch ein mögliches Signal, dass sich der französische Versicherer an der geplanten Kapitalerhöhung der Bank über fünf Mrd. Euro beteiligen könnte.

So gehen die Analysten von Allianz Global Investors in ihrem jüngsten Marktausblick für 2017 davon aus, dass die Politik auch im kommenden Jahr ein entscheidendes Momentum bei Anlageentscheidungen spielen wird. So werden nach Einschätzung der Allianz-Experten einige Investoren möglichweise auch bestimmte Märkte, obwohl diese attraktiv bewertet sind. Auch die Geldpolitik werde stärker von politischen Einflüssen geprägt sein, da sie Teil einer ausdrücklichen Regierungsstrategie wird, in der die Fiskalpolitik dominiert, so die Ökonomen.

Für die Branche bedeutet das aktuelle wirtschaftliche Umfeld vor allem eine Abkehr von klassischen Anlagestrategien: Die Versicherer müssen beim Anlageverhalten “kreativer werden”, fordert Martin Lück, Chefanlagestratege bei BlackRock im Exklusivinterview mit VWheuteTV.

Welche Auswirkungen das aktuelle weltwirtschaftliche und geopolitische Umfeld für die Branche haben wird, werden die Kreditversicherer am kommenden Donnerstag beleuchten. Dabei wirft der Branchenverband GDV einen Ausblick auf die Insolvenzen deutscher Unternehmen 2017 und gibt bereits eine Prognose der Geschäftszahlen für das laufende Geschäftsjahr ab.

Interessant wird dabei vor allem die Frage sein, in welchem Verhältnis sich die Zahl der Insolvenzen zu den Schadenssummen für die betroffenen Gläubiger entwickeln wird. Laut einer Studie des Kreditversicherers Euler Hermes ging die Zahl der Insolvenzen in Deutschland zwischen September 2015 und August 2016 zwar um vier Prozent auf 22.200 Pleiten zurück. Gleichzeitig lag die Schadenhöhe hingegen mit 26 Mrd. Euro um 48 Prozent höher (siehe SCHLAGZEILEN).

Für die Gläubiger ein fatales Signal: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes entstanden diesen allein Ende 2014 Verluste durch Unternehmensinsolvenzen in Höhe von knapp 3,6 Mrd. Euro. Bei Verbraucherinsolvenzen summierten sich die Verluste auf 3,9 Mrd. Euro. Bei den übrigen Insolvenzverfahren blieben die Gläubiger auf Forderungen von rund 3,2 Mrd. Euro sitzen. (td)

Bildquelle: lichtkunst.73 / pixelio.de

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Weitere Themen im Blick von VWheute:

Swiss Re hält an den eigenen Zielvorgaben fest
Der Schweizer Rückversicherer Swiss Re hält an den eigenen strategischen Zielen fest. Demnach will das Unternehmen nach eigenen Angaben selektiv in jenen Geschäftsteilen investieren, die profitables Wachstum versprechen, so der Rückversicherer auf dem Investors Day am vergangenen Freitag. Zudem will der Rückversicherer in neue Technologien investieren sowie in überschüssiges Kapital an Aktionäre auszahlen.

AIG: Deutlicher Anstieg von Cyber-Erpressungen
Der Versicherer AIG hat in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg von Cyber-Erpressungen festgestellt. Demnach seien laut einem eigenen White Paper insgesamt 16 Prozent aller Cyber-Schäden auf Verschlüsselungs-Ransomware und Cyber-Erpressungen zurückzuführen. Etwa 14 Prozent der digitalen Angriffe Ransomware-Attacken von Datenschutzverletzungen.

Volkwagen Financial Services verzeichnen Rekordergebnis
Die Volkswagen Financial Services werden im laufenden Geschäftsjahr 2016 erstmals in der Firmengeschichte ein operatives Ergebnis von mindestens zwei Mrd. Euro (2015: 1,92 Mrd.) erzielen. Der Gesamtvertragsbestand wird nach vorläufigen Zahlen des Unternehmens um 9,2 Prozent auf mehr als 18,12 Millionen steigen (2015: 16,59 Mio.).

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