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Diese Woche: Patziger Vertriebsskandal

11.05.2015 – BaltzerVon VWheute-Redakteur Christoph Baltzer. Vor einem Jahr ging die neue gesetztliche Ausrichtung der Lebensversicherung in die Endrunde. Das öffentliche  Bilanzieren beginnt gleich zu Anfang dieser Woche – leider belastet von einem skandalösen Ausrutscher. Die enormen Wertberichtigungen bei der Prisma Life hinterlassen in dem kleinen Firmenimperium des Cottbusser Sören Patzig einen unübersehbaren Kratzer.

Der im Steuerparadies Liechtenstein angesiedelte Lebensversicherer hatte nach einer umfassenden Überprüfung der Bücher im vergangenen Jahr einen Verlust von 46 Mio. Euro erlitten. Patzig muss nun 7,6 Mio. Euro in die Gesellschaft einschießen. Das gescheiterte Geschäftsmodell mit Kostenausgleichsvereinbarungen hat der Prisma Life einen Verlust eingebracht, der nach aktuellem Stand knapp der Hälfte des Umsatzes entspricht (siehe UNTERNEHMEN). Seit dem Jahre 2006 wird der Lebensversicherer von Sören Patzig und seiner Familie kontrolliert. Der Cottbusser hat mit seinem Strukturvertrieb Afa AG Lebensversicherungen als Nettoprodukte vermittelt, die wie klassische Lebensversicherungen aussahen. Für die Afaner entfiel damit die Stornohaftung. Der Kunde musste die Abschlusskosten abstottern, selbst wenn er den Vertrag kündigte.

Doch der BGH bereitete vor einem Jahr diesem Modell ein Ende. Die langjährigen Prisma-Life-Vorstände Markus Brugger und Holger Roth wechselten daraufhin zum Konkurrenten Liechtenstein Life. Patzig holte sich den Conti-Mann Holger Beitz, um klar Schiff zu machen. Gleichzeitig soll die ehemalige Skandia-Managerin Arzu Tschütscher-Alanyurt das Vertrauen in die Finanzen der Prisma Life wieder herstellen. Die Niederösterreicherin ist seit zweieinhalb Jahren mit dem ehemaligen Liechtensteinischen Premierminister Klaus Tschütscher verheiratet, der vor kurzem zum Honorarkonsul Russlands in Liechtenstein ernannt wurde.

Sören Patzig ist Sohn des SED-Granden Harry Patzig. Nach der Wende lernte der Schlosser beim OVB, wie man mit dem Verkauf von Versicherungen Geld verdienen kann und machte bald seine eigene Firma auf. Die Afa dürfte die Nummer sechs unter den Strukturvertrieben sein, hinter OVB aber noch vor Telis. Sie agiert als Mehrfachagent für Barmenia, BBV, Continentale, Deurag, WWK, HDI, Nürnberger, Haftpflichtkasse Darmstadt und nicht zuletzt Prisma Life. Zu der im Österreichischen Feldkirch angesiedelten Firmenholding Onesty gehören eine Reihe weiterer Vertriebe und der Cottbusser Ventilmakler BES. Schwamm drüber und Weitermachen? So leicht wird es für Patzig nicht sein. Die Lebensversicherer wollen mit aller Macht vermeiden, dass sie wegen fragwürdiger Vertriebsstrategien in die Schlagzeilen kommen.

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