Versicherungswirtschaft-heute

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Diese Woche: Fake über Deutschland

23.03.2015 – Stimmungbarometer von VWheute-Chefredakteur Heinz Klaus Mertes.

Wie gut muss es Deutschland gehen, dass ein erigierter oder nicht erigierter Mittelfinger leidenschaftlich ausgetragene Medienwellen erzeugt, deren Spritzer uns auch noch in dieser Woche nass machen werden? Tatsächlich aber geht es dann doch um eine ernste Befindlichkeit, die für die verwischte Wahrnehmung von Wirklichkeiten in Deutschland typisch scheint.

VerdiFrankfurter Randale mit 200 verletzten Polizisten – war da was (siehe POLITICS)? Ab ins Archiv! Tagelang ausfallende Flugverbindungen im Kampf um ewige Frühverrentung gut gebräunter Lufkapitäne – ist doch wohl ein satirischer Einfall von TV-Comedians? Gewerkschaftlicher Trillerpfeifenaufmarsch mit skandierenden Forderungen nach mehr Lohngerechtigkeit zu Beginn der Tarifrunde in der Versicherungswirtschaft. Will heißen: plus 5,5 Prozent (siehe POLITICS). Waren die Fake-Veranstalter von Titanic unter den entrechteten Tarifangestellten, die gerade aus dem Mittagscasino ihrer Niederlassung kamen?

Heute Abend soll der griechische Regierungschef unserer Bundeskanzlerin einen Antrittsbesuch abstatten. (siehe SCHLAGZEILEN) Wenn sich da nicht Wallraff mit offenem Hemd maskiert, um den Brüsseler Tausendundeinenachtgeschichten eine weitere über die griechischen Sparanstrengungen hinzu zu faken. Bömermanns Trickstudio gebe fein Acht, ob sich nicht aus einer Fingerbewegung der beiden Heads – richtig gefreezt – neue internationale Erschütterungen anwerfen lassen.

Am Anfang aller Politik stehe die Begegnung mit der Wirklichkeit, sagte Wolfgang Schäuble; seine Fingerzeige realtime dabei sind nicht dokumentiert. Kann man ja aber nacharbeiten.
Aber wo bleibt jene Wirklichkeit, wenn man die armen Zeitgenossen so verwirrend bespaßt?

12_SpiegelAch ja, in der neuen Folge der Spiegel-Serie „Zukunft Deutschland“ bimmelt wieder einmal das Totenglöcklein um Altersarmut und demografisch bedingte Wohlstandsverluste in die deutschen Ohren (siehe SCHLAGZEILEN). Müsste man wohl Ernst nehmen, wenn nicht vom Cover derselben Spiegel-Nummer die Schlagzeile in Großbuchstaben blinken würde: „THE GERMAN ÜBERMACHT“.

Und in das Foto einer Stiefelhosen-Besatzerelite vor der Akropolis hat man Angela Merkel hineinmontiert. Fake und Gegenfake im selben Heft des Lead-Mediums – was sollen die Deutschen da von sich selber und überhaupt noch für wahr halten?

Ich jedenfalls möchte bei den Irrungen und Wirrungen um Gegenwart und Zukunft diese Woche keine Lebensversicherung verkaufen müssen.

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