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Diese Woche: Eisiger Frühling

17.03.2014 – mertesVon Chefredakteur Heinz Klaus Mertes

Vom Fall Hoeneß befreit sind wir mit dem Urteil des Landgerichts München noch immer nicht. Zwar gelang es mit fintenreicher Verteidigungstaktik und affektiver Beihilfe vieler Medien, ein mildes Urteil zu erlangen, was dem Steuerstraftäter zudem noch reihum bis zur Kanzlerin und dem gestrengen Herrn Bundesfinanzminister Respektbekundungen einbrachte. Doch der Verurteilte tat nur das, was im Sinne eines Risikomanagments unumgänglich war, nämlich die auferlegte Haftstrafe anzunehmen. Alles andere hätte zu Schlimmerem geführt.

Abgesehen von der mangelnden Erfolgsaussicht einer Revision – es wäre all das  in den kommenden quälenden Monaten offenbar geworden, was im kurzen und knackigen Prozess von der Justiz in stiller Übereinstimmung aller Seiten umkurvt worden war: Die Genesis der gewaltigen Kapitalsummen, die da an dem Fiskus vorbei hin- und herjongliert wurden; und damit verbunden die Kriminogenität der Fußballwelt schlechthin zwischen Madrid, Barcelona, Mailand, Rom, Istanbul, Genf und Katar, von wo der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge kürzlich mit zwei geschenkten Rolex-Uhren strafwürdig durch den Zoll zu spazieren versuchte.

Diese Kriminogenität rund um Transfergeschiebe und andere Grauzonen des Milliardengeschäfts Fußball kumuliert zu einer Macht, die weit in die medialen und politischen Kanäle eingedrungen ist und die Partituren für die öffentliche Darstellung schreibt. Solcherart instrumentalisiertem Infoklima kann sich auch die Justiz in der viel beschworenen „Gesamtwürdigung“  von Fällen à la Hoeneß wohl nicht ganz entziehen.

Damit sind die offenen Fragen allerdings nur vorübergehend „wie in einem Sarkophag“ (FAZ) eingesperrt. Schon in den Wochenendmedien und heute im Spiegel-Titelreport („Game over“) öffnete sich der Deckel. Die Geister, die Hoeneß-Verfehlung und -verurteilung riefen, wird der Fußball nicht so schnell wieder los. So müssen die Unternehmen, die mit ihm im geschäftlichen Bunde stehen, mächtig aufpassen, dass ihre Reputation nicht nachteilig mit in diese publikumsträchtige, aber belastete und riskante Arena hineingezogen wird. Keinesfalls sollten sich die im Aufsichtsrat vertretenen Gesellschafter  darauf einlassen, jetzt noch den gefallenen Präsidenten zu einer Art „Robin Hood von Landsberg“ zu machen, der demnächst im Freigang wieder die Fäden ziehen kann. Hoeneß selbst zeigte sich schon bei weit geringeren Ärgernissen da früher konsequenter – etwa als sich Schnellredner Lothar Matthäus bei ihm unbeliebt gemacht hatte: Der dürfe in der noblen Allianz-Arena nicht einmal mehr Greenkeeper werden, so seine höchstsrichterliche Verfügung damals.

Höchste Zeit auch, dass der Blick in dieser Woche wieder frei wird für die Probleme ganz anderer Dimension, die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bedrängen. Nach der „Heimholung“ der Krim unter das Regiment von Mütterchen Russland entwickeln sich die Folgewirkungen schon ab dem heutigen Börsentag zu virulenten Risiken (siehe MÄRKTE). Nicht nur für die Anlagemanager der Versicherer werden zu den Euro- und Schwellenländersorgen weitere hinzu kommen. Auch die Marktstrategen müssen sich wohl über ihre Osteuropa-Geschäftskonzepte beugen. Und zu allem Ungemach dürfte in den nächsten Tagen der Verbraucherunmut über den  “Verteilungskampf” (FaS) um die Bewertungsreserven aufbranden.  Der Sturm ging schon bei der GDV-Jahrespressekonferenz Mitte vergangener Woche los. Die Windstärke gegen den Gesetzesentwurf der Regierung nimmt so zu, dass um die Standfestigkeit der Politik zu fürchten ist (POLITICS).

Der Frühling hat schon lauer begonnen.

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