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Deutschland gegen Terror falsch versichert

21.12.2016 – dpa lkw -86681537 -Der Anschlag in Berlin traf die Branche unvorbereitet. “Nicht unsere Zuständigkeit – fragen Sie lieber den Ausstellerverband”, sagten uns Versicherer und Makler. Was den Terrorschutz anbetrifft, herrscht hierzulande eine verwirrende Vielzahl an Institutionen und Verantwortungen. Es ist an der Zeit, eine einheitliche Regelung für das Terrorproblem zu finden, auch auf der Versicherungsseite, kommentiert VWheute-Redakteur Christoph Baltzer.

Terroristen zielen vor allem auf Menschen. Zwölf Menschen bezahlten den Besuch des Weihnachtsmarkts an der Berliner Gedächtniskirche am Montag mit ihrem Leben, 48 Menschen wurden verletzt. Die Hinterbliebenen und Opfer werden sich an den Haftpflichtversicherer des unschuldigen polnischen Transportunternehmens wenden, ähnlich wie das nach der Amokfahrt in Graz gewesen ist. Ein 26-Jähriger hatte bei seiner Hochgeschwindigkeitsfahrt durch die Grazer Innenstadt drei Personen getötet und 36 verletzt. Auf sieben Mio. Euro wurde der Schaden kurz nach dem Unglück beziffert. Bezahlt hat es der Versicherer des Autos (“Terrorwaffe auf vier Rädern“).

Für den Berliner Terroranschlag wird die Deckungssumme des Transportunternehmens wohl ausreichen. In Polen sind Personenschäden im Rahmen des Systems der grünen Karte bis zu einer Summe von fünf Mio. Euro pro Person versichert. Höchst wahrscheinlich werden hier die Rückversicherer einspringen müssen. (siehe KÖPFE) Was aber würde passieren, wenn ein Terrorist nicht mit einem Auto mordet, sondern mit einer Bombe oder einer Maschinenpistole?

Seit 1976 entschädigt der Staat Opfer und Hinterbliebene von vorsätzlichen, rechtswidrigen tätlichen Angriffen, finanziert wird das zur Hälfte vom Bund und von den Ländern. Doch die staatliche Versicherung ist mit viel Wenn und Aber versehen, vor allem beim Hinterbliebenenschutz. Immer wieder kommt es zu Beschwerden über die Versorgungsämter. In Frankreich sind Terroropfer seit 1990 über den Fonds de garantie des victimes des actes de terrorisme (FGTI) versichert, finanziert über eine Abgabe auf die Kfz- und Wohngebäudeversicherung.

Nach den Terroranschlägen in Paris und Nizza wurde diese Abgabe von 3,30 pro Jahr pro Vertrag auf 5,90 Euro angehoben. In den letzten beiden Jahren war der Fonds stärker in Anspruch genommen worden wie in all den Jahren seines Bestehens zusammengenommen. (siehe DOSSIER) Nach dem Attentat von Nizza (mindestens 86 Tote) haben sich mehr als 2.000 Personen als Geschädigte bei dem Fonds gemeldet. Annähernd zehn Mio. Euro hat der Fonds bislang ausgezahlt.

“Wir müssen dem Hass trotzen – mehr denn je. Für eine offene Gesellschaft eintreten und unsere Werte verteidigen und konsequent vorleben”, schreibt GDV-Geschäftsführer Jörg von Fürstenwerth. Beim Verband sieht man die Verkehrsopferhilfe in der Pflicht. 7.000 Risikoorte versichert der Terrorversicherer Extremus in Deutschland, Schäden wird es wohl durch die umliegenden Hotels geben, die eine Zeit lang keine Gäste aufnehmen können. Den eigentlichen Opfern und Hinterbliebenen steht ein Behörden-Marathon bevor. Nach dem Terror in Berlin sollte man deshalb darüber nachdenken, ob den Terroropfern mit einer einheitlichen Lösung nicht besser geholfen wäre als mit dem Wirrwarr an Zuständigkeiten und Verantwortungen. (ba)

Bild: Tatfahrzeug am Breitscheidplatz. Der Lkw war am Montagabend in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gerast. Zwölf Menschen starben, 48 wurden teilweise schwer verletzt. (Quelle: dpa)

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