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Der diskrete Charme des Risikos

24.11.2016 – Ein Kommentar von Christoph Baltzer.

Mit seiner Forderung, Garantien in der Tarifrente zu ermöglichen, will GDV-Präsident Alexander Erdland die Versicherer im Kampf um das Altersvorsorge-Geschäft besser in Stellung bringen. Durch eine solche Regelung würde aber auch der Wettbewerb unter den Lebensversicherern verschärft.

Die Deutschen hassen das Risiko. Wie groß die Risikoaversion ist, berichtete gestern auf dem Versicherungstag des GDV die Meinungsforscherin Renate Köcher. “Die Besorgnis und das Risikobewusstsein ist in den letzten Jahren sehr stark gewachsen”, sagte die Chefin des Meinungsforschungsinstitut Allensbach. “Die Antwort darauf ist unzureichend.”

Mit Antworten auf die Risikoaversion der Deutschen haben sich die Versicherer nie schwer getan. Die Lebensversicherer hielten an den Garantien fest, so lange es irgendwie ging. Die britischen Lebensversicherer hatten bereits Anfang des neuen Milleniums die Garantien in ihren Produkten stark zurückgeführt und haben jetzt nicht mit den Problemen zu kämpfen, wie das in Deutschland der Fall ist. Der Zusammenbruch der Equitable Life war ein Schock mit heilsamer Wirkung (siehe POLITICS).

Aus der Sorge heraus, ihre Unique Selling Proposition im Wettbewerb mit den Banken und Fondsgesellschaften einzubüßen, hielten die deutschen Lebensversicherer so lange an den Garantien fest. Doch mit den faktischen Nullzinsen ist die Belastungsgrenze endgültig erreicht. Die Aufsicht zieht alle Register, damit es nicht zu einer zweiten Versicherungskrise kommt, wie wir sie zwischen 2001 und 2003 erlebt haben. Der Dot-Com-Crash hatte die Lebensversicherer reihenweise in die Knie gezwungen, trauriger Höhepunkt war der Niedergang der Mannheimer Leben.

Die Zielrente bewahrt die Lebensversicherer vor zusätzlichem Stress. Und das kann die Branche gut gebrauchen. Die gestern auf dem Berliner Treffen geäußerten Hoffnungen auf eine Zinswende kann man bei nüchterner Betrachtung dem Bereich der Spekulation zuordnen. EZB-Chef Mario Draghi macht kein Hehl daraus, dass Deflation weiterhin das größte Problem in Europa darstellt.

Von der Abkehr vom Garantiemodell würden auch die starken Unternehmen profitieren. Denn kein Versicherer verfügt über ein so starkes Ansehen, dass er aus dem Krisen-Talk über und in der Branche gänzlich ungeschoren davon kommt. (ba)

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Weitere Themen im Blick von VWheute:

Generali will Kosten reduzieren – es drohen Entlassungen
Der in Deutschland zweitgrößte Versicherer will sparen: Das Unternehmen soll profitabler und effizienter werden. Insgesamt scheint das Ziel eine Straffung und Verkleinerung der Strukturen zu sein. In der Presse wird über die Entlassung mehrerer tausend Angestellter spekuliert. Die return on equity (ROE) soll im Durchschnitt währen der Periode von 2015 bis 2018 bei 13 Prozent liegen.

Munich Re und Allianz gehen leer aus
372.100 Euro verdienen die Aufsichtsratsvorsitzenden der Dax-Unternehmen. 4,4 Prozent mehr Gehalt erhalten die Chefaufseher der Dax-Konzerne damit mehr. Munich Re und Allianz liegen dabei im Trend: Sie zahlen ihren Aufsehern einen festen Satz. “Das ist eine einfache und transparente, aber nicht unbedingt die beste Lösung”, kommentiert Ralph Lange, Willis Towers Watson, das Ergebnis der aktuellen Studie.

Provisionsabgabeverbot könnte im Mai 2017 kommen
Das Provisionsabgabeverbot könnte nach Ansicht des Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) bereits im Mai 2017 in Kraft treten. Die jetzt eingeleitete Verbändeanhörung geht laut BVK-Präsident Michael H. Heinz bis zum 12. Dezember. Bis dahin müssen die Bewertungen und Nachbesserungswünsche der Verbände an das Ministerium übermittelt worden sein.

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