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Autonome Chancen und Risiken

19.08.2016 – richard_viereckl_pwcVon Richard Viereckl. Stimmen die Medienberichte der letzten Wochen, so will Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt beim Thema autonomes Fahren schon bald eine klare gesetzliche Regelung schaffen. Angesichts der rasant fortschreitenden technischen Möglichkeiten, aber auch der unzähligen ungeklärten Sicherheits- und Haftungsfragen besteht hier durchaus Regulierungsbedarf.

Sowohl die Automobilhersteller als auch die Versicherungswirtschaft brauchen eher kurz- als mittelfristig verlässliche Rahmenbedingungen, um die Chancen der neuen Technologie konsequent für die strategische Ausrichtung der Produktentwicklung nutzen zu können. Aber auch, um über belastbare Parameter für die Risiken im Bereich der Haftungsfragen zu verfügen.

Zwar können der autonome Algorithmus und optimierte Fahrassistenztechnologien menschliches Versagen weitgehend minimieren und damit die Zahl der im Verkehr Verletzten oder gar Getöteten voraussichtlich erheblich reduzieren. Wie bei jedem technischen System – und sei es noch so ausgereift – wird aber ein Restrisiko bleiben. Wer hierfür das Haftungsrisiko und bis zu welcher Höhe übernehmen muss, das sollten das Verkehrs- und das Justizministerium zügig klären, um weitere Spekulationen und unnötige Unsicherheiten für die Automobil- und Versicherungsindustrie zu vermeiden. Schließlich sind beide Industrien für den Standort durchaus systemrelevant.

Fest steht aber auch, dass die klassische Kfz-Haftpflichtversicherung im Zeitalter des autonomen Fahrens an ihre Grenzen kommt. Sowohl die Anforderungen als auch die Chancen werden für die Versicherungswirtschaft vielschichtiger. Es werden Daten verfügbar sein, mit deren Hilfe die Versicherer Fahrzustände oder auch die Leistungsfähigkeit des Fahrers sehr genau einschätzen können. Rund um die Bereiche autonomes Fahren und Mobilität als Dienstleistung entstehen bereits jetzt neue Geschäftsmodelle.

Der Wandel passiert nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich in einem technologischen Migrationsprozess über Jahre hinweg. Wer seinen Anteil an der Wertschöpfungskette des autonomen Fahrens sichern möchte, muss aber heute handeln und selbst neue Konzepte entwickeln, anstatt die exakte gesetzliche Regulierung des autonomen Fahrens abzuwarten. Produkte und Dienstleistungen können immer noch an spätere Gegebenheiten angepasst werden.

Jetzt gilt es für die Versicherungswirtschaft, die Phase des Übergangs nicht zu verschlafen und alle Kreativität in die Entwicklung eines differenzierten Produkt- und Serviceportfolios zu stecken. Marktteilnehmer, die ihr Unternehmen schon heute strategisch auf die neuen Anforderungen des autonomen Fahrens ausrichten, schaffen so die Voraussetzung für die Erschließung lukrativer Umsatzpotenziale im Mobilitätssystem der Zukunft (siehe DOSSIER).

Bild: Richard Viereckl ist Senior Vice President und Automobilexperte bei Strategy&, der Strategieberatung von PwC. (Quelle: PwC)

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