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Allianz Aufbruch wohin?

28.11.2016 – Baete Oliver_kasparNach Asien! Um es gleich vorweg zu nehmen. Aber nicht nur. Es tut sich was bei Deutschlands größtem Versicherungskonzern, der Allianz S.E., bei der seit dem 7. Mai 2015 Oliver Bäte das Zepter führt. Bestimmt, aber nicht ohne inneren Widerstand bei Teilen der Mitarbeiter und auf der Ebene des mittleren Managements, führt der 51-jährige ehemalige McKinsey-Direktor den Konzern auf zu neuen Ufern (Konzernsprache Englisch). Zu welchen genau, erklärt Bäte am Mittwoch auf dem Investorentag.

“Allianz steigt ein…”, mit dieser Formel begannen in der letzten Zeit zahlreiche Nachrichten den Versicherungsriesen aus der Münchener Königinstraße betreffend. Die Allianz stieg ein beim US-Start-up Nauto, zuständig für die Erkennung von Fahrer- und Verkehrsrisiken, sie stieg ein beim Onlineversicherer Simplesurance, welcher über die Marke Schutzklick.de beim Einkauf automatisch generierte Policen anbietet.

Die Allianz stieg zudem ein, beim italienischen Online-Vermögensverwalter MoneyFarm, die sich kleineren Vermögen und Anlagebeträgen widmet und sie stieg ein bei der Instamotion Retail GmbH, die sich dem Gebrauchtwagenhandel im Internet verschrieben hat. Und jüngst ließ das Unternehmen aufhorchen mit der Meldung, über ihre Tochter Allianz Global Investor eine Lizenz als Vermögensverwalter auf dem chinesischen Festland zu beantragen. Daraus ergibt sich ein immer schärferes Bild zur neuen strategischen Ausrichtung des 1890 gegründeten Unternehmens: Die Allianz lässt die Schnellboote zu Wasser um den Tanker auf Kurs zu halten.

Entlang der alten wie neu erhofften Wertschöpfungsketten richtet Oliver Bäte den “Blauen Riesen” aus, dabei unterstützen positive externe Faktoren den mutigen Kurs in die Welt von Null und Eins, von digital und online. So verzeichnet der Maklervertrieb fast 30-prozentige Zuwächse. Und die jüngst bekannt gewordenen Pläne von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hinsichtlich der Riester- und Betriebsrentenförderung bedeuten ebenfalls neues Wachstum für die Allianz.

Auch diese Woche gibt der Versicherer weiter Gas: So lädt die Allianz am Mittwoch Analysten und institutionelle Investoren zu einem Capital Markets Day nach München ein. Thema der Veranstaltung ist die Digitalisierung der Allianz Gruppe. Vom Vorstand werden Oliver Bäte (CEO), Dieter Wemmer (CFO) und Christof Mascher (COO) sowie Vertreter des Managements operationaler Einheiten präsentieren. “Danach werden wir in Form von Workshops Einblicke in unsere neu eröffnete Digital Factory geben”, heißt es dazu vielversprechend in der Ankündigung. Tags zuvor präsentiert die Allianz, wieder in München, die neue Kfz-Sicherheitsstudie “Ablenkung am Steuer” im Allianz Zentrum für Technik – VWheute wird berichten. Der Riese tanzt eben auf vielen Hochzeiten.

Ein weiteres Investitionsfeld ist der Bereich der öffentlichen Infrastruktur, auch wenn sich hier die Pläne zur Beteiligung am bundesdeutschen Autobahnnetz in letzter Minute zerschlagen haben, Chancen gibt es genug, wenn nicht in Deutschland, aber z.B. in Rumänien: Dort will die Allianz nach eigenen Angaben 30 Prozent an den 20.000 Kilometer Gas- und 80.000 Kilometer Stromleitungen vom Energiekonzern Eon übernehmen (siehe UNTERNEHMEN). Kostenpunkt für die Transaktion, übersichtliche 250 Mio. Euro.

Dabei scheint noch weiter Luft nach oben. Die Börse zumindest honorierte zuletzt den Kurs des Unternehmens. Die Aktie legt seit einem halben Jahr kontinuierlich zu, auf nunmehr 150,35 Euro, trotz oder wegen Trump? Das prognostizierte KGV für das nächste Jahr von Zehn ist weiter günstig, ein Kursziel 180 Euro scheint für 2017 nicht unrealistisch.

Es sieht so aus, als habe Bäte einen Lauf, wie schon sein Auftritt in Turnschuhen auf der letzten Jahreshauptversammlung in München erahnen ließ. Aus gegebenem Anlass hier die Rede Bätes am 4. Mai dieses Jahres auf der Jahreshauptversammlung in München: “Über die Zukunft der Allianz”. (vwh/ak)

Bild: Oliver Bäte (Quelle: Alexander Kaspar)

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