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“ZZR grundsätzlich mit dem Zinsumfeld in Einklang bringen”

10.04.2015 – oletzky_ergoFür die Zinszusatzreserve haben die Lebensversicherer der Ergo Versicherungsgruppe 2014 rund 725 Mio. Euro zurückgestellt. Ergo-Chef Torsten Oletzky spricht sich dafür aus, dieses “an sich richtige Instrument” zu ändern, äußert sich im Gespräch mit VWheute und auf seiner Bilanzpressekonferenz aber etwas moderater als beispielsweise Dietmar Meister bei seinem letzten Presseauftritt als Generali-Chef vor knapp zwei Wochen.

VWheute: Die Belastungen der Zinszusatzreserve werden immer größer. Wie stark belastet diese Ihren Konzern 2014? Halten Sie den Mechanismus für richtig ausgestaltet oder schließen Sie sich Forderungen von Wettbewerbern an, ihn zu ändern?

Torsten Oletzky: Die Zinszusatzreserve ist ein Instrument, um in Zeiten niedriger Zinsen die langfristigen Garantien zusätzlich abzusichern. Das ist grundsätzlich sinnvoll. Aber als die ZZR konzipiert wurde, waren die Lebensversicherer noch nicht mit einem derart niedrigen Zinsumfeld konfrontiert wie heute. Mit Blick auf die jüngsten geldpolitischen Entscheidungen der EZB ist es ratsam, dass sich Versicherer und Aufsicht überlegen, wie das Instrument grundsätzlich mit dem neuen Zinsumfeld in Einklang zu bringen ist. Die Ergo Lebensversicherer haben der Zinszusatzreserve im Jahr 2014 rund 725 Mio. Euro zugeführt. Der Großteil entfällt auf die Ergo Lebensversicherung und die Victoria Lebensversicherung.

VWheute: Wie bewerten Sie die Situation Ihres Konzerns?

Torsten Oletzky: Wir haben 2014 ein gutes Ergebnis erzielt. Dieser Erfolg bestätigt unseren Ansatz, Angebote und Produkte an den Bedürfnissen der Kunden auszurichten, ohne unvernünftige Kompromisse zu Lasten der Profitabilität zu machen. Außerdem bestärkt uns die gute Entwicklung im internationalen Geschäft in unserer Strategie, unser Engagement im Ausland weiter auszubauen. Wie alle anderen auch haben wir natürlich im vergangenen Jahr mit den Folgen der Niedrigzinsen zu kämpfen gehabt. Aber es zeigt sich, dass wir schon vor etlichen Jahren einen Schritt gemacht haben, der sich als goldrichtig erweist – nämlich 2005 in Absicherungen gegen niedrige Zinsen zu investieren. Das hilft uns in der heutigen Zinssituation sehr. Das wichtige Thema Kundenorientierung haben wir vor vielen Jahren als Kernthema erkennt und aufgegriffen. Unsere vielfältigen Maßnahmen haben Erfolg, gerade hat der TÜV uns wieder eine gute Note für die Verständlichkeit unserer Kundenkommunikation gegeben. Kunden, die eine fachliche Entscheidung dennoch nicht verstanden haben, können sich seit einigen Jahren an unseren Kundensprecher wenden und die Entscheidung überprüfen lassen. Und gemeinsam mit unserem Kundenbeirat wollen wir unser Produkt- und Service-Angebot weiter verbessern.

VWheute: Was sind die wichtigsten Vorhaben für 2015?

Torsten Oletzky: Eine hohe Priorität hat für uns die weitere Verbesserung der ganzheitlichen Beratung durch unseren Außendienst. Im vergangenen Jahr haben wir den Roll-out unseres neuen IT-Systems für den Außendienst erfolgreich abgeschlossen. Dieses bietet unseren Vermittlern viele neue Möglichkeiten in der IT-gestützten ganzheitlichen Kundenberatung. Durch den Praxiseinsatz bei vielen Tausend Agenturen werden wir lernen und diesen Ansatz weiter verbessern. Hiervon versprechen wir uns Vorteile für unsere Kunden, für unsere Agenturen und für Ergo. Einen weiteren inhaltlichen Schwerpunkt bildet die betriebliche Altersversorgung, in der wir seit Jahresbeginn unser neues Produktkonzept Ergo Betriebsrente Garantie anbieten. Dazu wollen wir 2015 die Digitalisierung unserer Prozesse weiter vorantreiben. Dabei geht es uns um hilfreiche und bequem nutzbare Self-Services und die intelligente Verknüpfung aller On- und Offline-Kanäle entlang der kompletten Wertschöpfungskette. Das heißt, von der Information und Beratung, über den Vertragsabschluss und die Vertragsverwaltung bis zum Schaden-/Leistungsmanagement. Und nicht zuletzt ist Solvency II ja ein Dauerbrenner der Branche. Wir sind gut darauf vorbereitet, aber es gibt auch noch viel zu tun.

Interview: VWheute-Korrespondentin Monika Lier.

Bild: Torsten Oletzky (Quelle: Ergo)

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