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Zinszusatzreserve: Verfahren derzeit zu hart

19.11.2014 – joachim _kurtenbachDie Bildung von Zinszusatzreserven (ZZR) bedeutet für die Lebensversicherer eine ungeheuere Belastung. Dennoch sei sie richtig und wichtig, meint Michael Kurtenbach, Vorstandsvorsitzender der Gothaer Lebensversicherung AG im VWheute-Interview.

VWheute: Der Gesetzgeber zwingt die Lebensversicherer zur Stabilisierung, damit die Garantien weiter erfüllt werden können. Was bedeutet die Bildung der Zinszusatzreserven (ZZR) für die Zukunft?

Michael Kurtenbach: Die ungeheure Belastung der Lebensversicherer durch die ZZR ist vor allem vielen Vermittlern und Makler noch nicht bekannt. Allein auf die Verträge mit einem Garantiezins von vier Prozent entfällt derzeit marktweit mehr als jede fünfte Lebensversicherung. 55 Prozent sind es sogar, wenn man die Generation der Garantieverträge mit 3,5 und 3,25 Prozent mit hinzunimmt. Und der sogenannte Referenzzins, welcher der Maßstab für die Dotierung der ZZR ist, fällt 2014 auf 3,15 Prozent. Das bedeutet, dass wir auch für die Generation der 3,25-Prozent-Verträge erstmals eine ZZR bilden müssen. Die Gesamtrücklagen der Branche für die ZZR dürften 2014 damit wohl bei über 20 Milliarden Euro liegen. Auf der anderen Seite heißt das, dass Kunden mit Altverträgen eine hohe und sichere Rücklage für ihre Verträge bekommen.

Wie können die Versicherer die hohe ZZR künftig noch finanzieren?

Es wird sehr schwierig. Manche müssen vielleicht sogar ihr Tafelsilber, das heißt festverzinsliche Anlagen verkaufen und Bewertungsreserven realisieren, um die ZZR ausreichend zu dotieren. Auf jeden Fall werden die Provisionen durch die ZZR deutlich unter Druck geraten. Ich bin überzeugt davon aus, dass es sich spätestens 2016 kein Lebensversicherer mehr leisten kann, mehr als die 25 Promille zu zahlen, die das Lebensversicherungsreformgesetz künftig für die Kalkulation vorschreibt. Die Ergebnisquelle Kapitalerträge steht bereits durch den Niedrigzins voll unter Druck und bei Risikogewinnen gibt es künftig keinen Freiraum mehr, weil gesetzlich 90 Prozent an die Kunden ausgeschüttet werden müssen. Damit stehen die Überschüsse weiterhin ganz enorm unter Druck. Die Branche hat die laufende Überschussbeteiligung  im vergangenen Jahr für 2014 um 0,2 Prozentpunkte abgesenkt. Ich gehe davon aus, dass aufgrund der weiter gesunkenen Zinsen auch für das Jahr 2015 wieder eine Absenkung zu erwarten ist.

Nimmt die ZZR den Lebensversicherern die Luft zum Atmen?

Die ZZR ist ein sinnvolles und richtiges Mittel. Das Verfahren ist derzeit zu hart ist. Es baut zu schnell ein hohes Kapitalvolumen auf. Daher müsste es moderater gestaltet werden. Zwar wurden Zinskurven, auf der die Berechnungen basieren, schon einmal modifiziert ausgetauscht, doch das hat nicht den gewünschten Entlastungseffekt gebracht. Hier muss nachgebessert werden. Es handelt sich ja um eine Verordnung, die sich leichter als ein Gesetz reformieren lässt. Dies sollte in den nächsten drei Jahren passieren. Bis dahin gehe ich davon aus, dass jeder Lebensversicherer auch nach dem heutigen Verfahren die ZZR stemmen kann.

Das Interview führte VWheute-Korrespondent Uwe Schmidt-Kasparek.

Bild: Michael Kurtenbach (Quelle: Uwe Schmidt-Kasparek)

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