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Zinsanstieg: Kein existenzielles Risiko für deutsche Lebensversicherer

01.09.2015 – Meng_MillimannVon Matthias Meng.

Entgegen der Ergebnisse der Bundesbank-Studie stellt ein signifikanter Zinsanstieg selbst im Falle finanzrationalen Versicherungsnehmerverhaltens kein existenzielles Risiko dar. Vielmehr ist im Einzelfall sogar eine leichte Erhöhung der Solvency II Bedeckung möglich.

Das Diskussionspapier der Bundesbank zum Thema Stornorisiko nach Zinsanstieg skizziert mögliche Risiken deutscher Lebensversicherungsunternehmen, die aus finanzrationalem Storno-Verhalten der Versicherungsnehmer im Falle eines signifikanten Zinsanstiegs resultieren könnten.

Aus unserer Sicht wird das Risiko eines signifikanten Zinsanstiegs in der Bundesbank-Studie überschätzt, da die Annahme eines sofortigen Stornos des Gesamt-Bestandes irrationales Verhalten der Versicherungsnehmer impliziert, da wesentliche Teile des Bestandes Zinsgarantien von weit über dem Zinsniveau nach Zinsanstieg um 2,1 Prozentpunkte aufweisen. Verträge mit solchen Garantien zu stornieren, ist aber nicht unbedingt von Vorteil.

Vollständig rationales Verhalten, eine unserer Meinung nach extrem konservative Annahme, führt nur zu einer Kündigung derjenigen Bestände, bei welchen der Versicherungsnehmer einen Vorteil in der Kündigung sieht. Eine solche Situation stellt sich aber deutlich positiver dar.

Aufgrund der Komplexität und Vielfalt deutscher Lebensversicherungsprodukte, ist das Stornoverhalten der Versicherungsnehmer im Falle eines Zinsanstiegs deutlich differenzierter zu betrachten. Als zu berücksichtigende Faktoren sind hier u.a. verschiedene Garantiezinsniveaus, die Höhe von Stornoabschlägen und die historisch geringe Finanzrationalität von Versicherungsnehmern, zu erwähnen.

Unter der Annahme eines differenzierteren Stornoverhaltens würde ein Zinsanstieg in entsprechender Größenordnung positive Effekte für die Lebensversicherer sowohl aus HGB-Sicht, durch die Reduktion der Zinszusatzreserve und hohe Wiederanlagerenditen, als auch unter Solvency II, durch einen signifikanten Rückgang der SII-Rückstellung und des erforderlichen Risikokapitals, implizieren.

Wir haben die Auswirkung eines Zinsanstiegs in Höhe des kritischen Werts gemäß Bundesbank-Studie daher unter Einbeziehung eines sinnvoll finanzrationalem Versicherungsnehmerverhaltens anhand eines Beispielunternehmens untersucht werden.

Bild: Matthias Meng, Senior Manager, der aktuariellen Wirtschaftsberatung Milliman. (Quelle: Milliman)

Link: Milliman Fallstudie zum Bundesbank-Diskussionspapier (PDF)

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