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“Ziele in der Altersvorsorge immer schwerer zu erreichen”

28.06.2016 – Morgenstern_DIA“Der Druck auf die Kosten nimmt zu und zwingt die Versicherer zu einschneidenden Schritten”, sagt Klaus Morgenstern, Sprecher des Deutschen Institutes für Altersvorsorge. Heute präsentiert das DIA aktuelle Zahlen zum Status quo der Altersvorsorge und der Reformbemühungen. Im exklusiven Interview mit VWheute erklärt Morgenstern, wo der Schuh drückt.

VWheute: Wie sehen Sie die Versicherungswirtschaft aufgestellt, was hat sich im vergangenen Jahr getan?

Klaus Morgenstern:
In der Versicherungswirtschaft vollzieht sich im Augenblick ein erheblicher Umbruch. Mehrere Gesellschaften haben sich bereits aus dem klassischen Lebensversicherungsgeschäft mit Garantien verabschiedet, entweder bieten sie diese Tarife nicht mehr aktiv an oder stellen den Verkauf ganz ein und lassen die vorhandenen Bestände in eigenen Einheiten auslaufen. Diese Entwicklung wird sich 2017 bei einem nochmals abgesenkten Garantiezins weiter beschleunigen. Der Druck auf die Kosten nimmt zu und zwingt die Versicherer zu einschneidenden Schritten, zum Beispiel zu fortgesetztem Personalabbau.

Die Entwicklung neuer, fondsgebundener Produkte ohne oder nur mit stark reduzierten Garantien, wie wir sie bereits sehen, setzt sich daher fort. Problematisch wird es allerdings in den Bereichen, wo ein Umstieg auf Produkte ohne Garantie gar nicht möglich ist, zum Beispiel bei der Riester-Rente oder in der betrieblichen Altersversorgung. Hier sollte der Gesetzgeber dringend handeln. Die ursprünglich den Garantien zugedachte Schutzfunktion hat sich ins Gegenteil verkehrt und führt zu einer Belastung mit enormen Garantiekosten. Dadurch wird es immer schwerer, die anvisierten Ziele in der Altersvorsorge zu erreichen.

VWheute: Wie wirkt die aktuelle Debatte um Riester?

Klaus Morgenstern: Die aktuelle Debatte über die Riester-Rente lähmt die ohnehin durch den Niedrigzins stark zurückgegangene Bereitschaft zur langfristigen Altersvorsorge. Die von einigen Politikern geforderte Rückabwicklung der staatlich geförderten Riester-Rente wäre ein grober Vertrauensbruch gegenüber all jenen Sparern, die mit selbst verantworteter Vorsorge ihre gesetzliche Rente im Alter ergänzen wollen. Ganz abgesehen davon, dass eine Rückabwicklung der Verträge zwischen den Sparern und Versicherern gar nicht möglich wäre. Anstatt aus wahl- und parteitaktischen Überlegungen eine Abkehr von der privaten Altersvorsorge und eine Rückkehr zu früheren Zuständen in der gesetzlichen Rentenversicherung zu propagieren, sollte die Politik jene Hemmnisse aus dem Weg räumen, die sie selbst mit zu verantworten hat.

Die Verbreitung der freiwilligen Vorsorge wurde durch einen komplizierten Rechtsrahmen erschwert. Das gesetzlich vorgeschriebene Zusammenspiel von Zulagenstelle und Finanzämtern verkompliziert die Abwicklung. Außerdem hält viele Geringverdiener, die durch die festen Zulagen gerade günstiger gestellt werden, die spätere mögliche Anrechnung auf die Grundsicherung im Alter vom Abschluss eines Vertrages ab. Es bleibt zu hoffen, dass im Zuge der angelaufenen Diskussion über eine Rentenreform auch in der privaten Vorsorge einige Verbesserungen umgesetzt werden.

VWheute: Wie bewerten Sie die jüngst veröffentlichten Parameter zur Berechnung der Effektivkosten von Produkten in der Altersvorsorge?

Klaus Morgenstern:
Damit liegen nun endlich einheitliche Vorgaben für die Ermittlung der Effektivkosten vor. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge hatte bereits mit einer Studie im vergangenen Jahr darauf aufmerksam gemacht, dass es reihenweise Unklarheiten zur Berechnungsmethode gab, weil der Gesetzgeber die Versicherer zwar zur Angabe dieser Kennzahl verpflichtet, aber keine Methodik vorgeschrieben hatte.

Das ist nun nachgeholt worden. Aber leider befürchten wir, dass sich dennoch 2017 das Chaos fortsetzt. Die Methodik der Produktinformationsstelle Altersvorsorge gilt nur für die staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukte. Daher werden die Effektivkosten zwischen den verschiedenen Säulen der Altersvorsorge nicht vergleichbar sein. Es sei denn, der Gesetzgeber besinnt sich und schreibt die Methodik generell vor. Aber dazu fehlt mir der Glaube.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: DIA-Sprecher Klaus Morgenstern (Quelle: DIA)

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