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Wohngebäudeversicherung: Gratwanderung zur Sanierung

31.10.2013 – Nach Flut und Hagel sind deutliche Prämienerhöhungen in der Wohngebäudeversicherung unerlässlich. Obwohl die Prämien 2012 im Schnitt um sechs Prozent angehoben wurden, musste die Branche laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) einen technischen Verlust hinnehmen.

So lag die Schaden-Kosten-Quote 2012 bei 104 Prozent. Für 2013 rechnet die Hannover Re z.B. mit einer Steigerung auf 133 Prozent. Doch nur wenige Versicherer, wie Allianz für alte DDR-Policen, generell die Ergo und der Konzeptanbieter Domcura, haben eine systematische Sanierung eingeleitet. Andere Versicherer, wie etwa die Gothaer wollen über ihre Sanierungsmaßnahmen kein Wort verlieren. So teilt beispielsweise die Gothaer mit, dass es Erhöhungen gibt und die Bedingungen rein theoretisch eine 20-Prozent-Anpassung möglich mache. Demgegenüber spricht die Axa von „moderaten“ Steigerungen – was sich eigentlich kein Wohngebäudeversicherer mehr leisten kann. Aber: Umfassende Änderungskündigungs-Aktionen können schnell zum finanziellen Bumerang werden. „Kunden ohne Vorschäden oder mit renovierten Häusern erhalten leicht anderweitigen Versicherungsschutz für ihre Immobilien“, urteilt ein Branchenkenner. Demgegenüber müssten „schlechte“ Risiken wohl oder übel bei ihrem Alt-Versicherer bleiben.

Unter dem Strich drohe so die Sparte noch weiter in die roten Zahlen zu fahren. Zudem dürften solche Aktionen das Image des jeweiligen Versicherers schädigen. Daher verzichten andere große Wohngebäudeversicherer aber auf Kündigungsaktionen und überreden ihre Kunden „sanft“ durch Vermittler zu neuen Verträgen. Solche Aktionen sind natürlich deutlich aufwändiger, als eine generelle Kündigung. Doch der Markt bleibt schwierig. „Viele Anbieter haben schon die Empfehlung des GDV zur Wohngebäudeversicherung von 2011, die zu einem strukturellen Wandel und deutlich höheren Prämien führt, nicht nachvollzogen“, heißt es bei der Signal-Iduna. Daher gibt der dortmunder Versicherer seinen Vermittlern regelrecht Kampfpreise an die Hand. Damit sollen Konkurrenzangebote gekontert werden.

Der Markt ist nämlich weiterhin von extrem starkem Wettbewerb gekennzeichnet. So hat der Marktbeobachter InnoSystems in einer umfassenden Studie 2012 Prämienunterschiede von 300 Prozent festgestellt. „Oft ist daher besserer Schutz für weniger Geld möglich, als der alte Versicherer fordert“, stellt beispielsweise Praktiker Johannes Brück aus Düsseldorf fest. Der Versicherungsmakler ist Vorstand im Bundesverband mittelständischer Versicherungs- und Finanzmakler (BMVF). Eine Prämienerhöhung sei zudem eine Chance, den Versicherungsschutz zu modernisieren. So würden heute viele Tarife auch dann für Schäden haften, wenn der Schaden vom Besitzer grob fahrlässig verursacht wurde. Auch mit erweitertem Elementarschadenschutz, der vor allem bei Überschwemmung leistet, können wohl viele Kunden zu einer Vertragsumstellung motiviert werden. Laut Hannover Re haben derzeit noch 64 Prozent aller Immobilienbesitzer nur klassischen Schutz gegen Hagel und Sturm. Dabei haben solche Schäden deutlich zugenommen. Der Grund ist sogenannter Starkregen. Er ist mittlerweile für 50 Prozent aller Überschwemmungsschäden verantwortlich, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die finanzielle Absicherung gegen Überschwemmungsschäden ist aber leicht möglich, denn die meisten Häuser können versichert werden. Je näher man jedoch am Fluss wohnt, desto teurer wird die Versicherung. In der höchsten Risikoklasse „vier“ wird nur auf Anfrage und in der Regel mit einer hohen Eigenbeteiligung abgesichert. (usk)

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