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“Wir organisieren den Risikoausgleich der Mitglieder”

03.06.2016 – LaueDie Rechtsform des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit sieht Debeka-Chef Uwe Laue “dem Vorgang des Versicherns besonders nahe.” Was es heute bedeutet, Mitgliedern den bestmöglichen Versicherungsschutz zu bestmöglichen Prämien zu bieten, erklärt er im Interview mit VWheute .

VWheute: Was bekommt ein Versicherter beim Gegenseitigkeitsverein, was er bei einem anderen Versicherer nicht bekommt?

Uwe Laue: “Wir leben den Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Unseren Grundsätzen bleiben wir treu. Und das verstehen wir nicht als Werbebotschaft ohne Inhalt.“ Dieses Zitat aus unserem Unternehmensleitbild bildet den Kerngedanken der Debeka-Philosophie. Wer bei uns einen Kranken- oder Lebensversicherungsvertrag abschließt, wird eben nicht nur Kunde, sondern Mitglied „seines“ Versicherungsvereins. Den Vereinsgedanken leben wir natürlich auch in unserer Schaden- und Unfallversicherung, in der Pensionskasse und der Bausparkasse, die als Aktiengesellschaften organisiert sind. Wir richten all unsere Aktivitäten daran aus, unseren Mitgliedern bestmöglichen Versicherungsschutz zu bestmöglichen Prämien zu bieten. Was wir an Überschüssen erwirtschaften, kommt den Mitgliedern zugute. Und wir versuchen, unseren Mitgliedern immer wieder klar zu machen, dass sie der Dreh- und Angelpunkt unseres Handelns sind.

Im Prinzip machen wir, also unsere Mitarbeiter und auch der Vorstand, nichts anderes als den Risikoausgleich für unsere Mitglieder zu organisieren. Ich glaube, dass die Rechtsform des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit dem Vorgang des „Versicherns“ sehr nahe ist. Nicht umsonst wurden viele Versicherungsunternehmen als Gegenseitigkeitsversicherer gegründet und haben diese Rechtsform bis heute beibehalten. Das heißt natürlich nicht, dass Versicherer, die als VVaG organisiert sind, allen Versicherern mit anderen Rechtsformen per se überlegen sind. Es gibt gute und weniger gute Gegenseitigkeitsversicherer – genauso, wie es gute und weniger gute Versicherungsaktiengesellschaften und öffentlich-rechtliche Versicherer gibt. Dennoch glaube ich, dass wir als Gegenseitigkeitsversicherer mit unserer Grundidee gute Argumente haben, um Interessenten zu überzeugen. Und wenn dann noch die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen z. B mit niedrigen Verwaltungskosten und die Leistungen stimmen, wird klar, warum wir beispielsweise in der Krankenversicherung jährlich ca. 30.000 neue Mitglieder hinzugewinnen.

VWheute: Wie unterscheidet sich die Lobbyarbeit der Gegenseitigkeitsversicherer von anderen Geschäftsmodellen?

Uwe Laue: Es ist zunächst wichtig und richtig, dass es mit Amice (siehe POLITICS) eine Vereinigung gibt, die die Interessen der Gegenseitigkeitsversicherer auf europäischer Ebene vertritt.
In Deutschland haben wir als Interessenvertretung der Versicherungswirtschaft den GDV und den PKV-Verband. Bei beiden Verbänden ist die Rechtsform der Mitgliedsunternehmen von untergeordneter Bedeutung, wenn es um globale Themen, wie etwa um Solvency II geht. Allerdings muss man schon beachten, dass die Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit in der gesamten Versicherungswirtschaft einen Marktanteil von ca. 15 Prozent besitzen, während sie in der PKV mit 43 Prozent einen deutlich höheren Anteil aufweisen. In der PKV haben Gegenseitigkeitsversicherer damit mehr Gewicht, wenn es um die Durchsetzung PKV-spezifischer Themen geht.

Es gibt auf nationaler Ebene mit der „Arbeitsgemeinschaft der Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit e. V.“ schließlich eine eigenständige Interessenvertretung der Gegenseitigkeitsversicherer. Ich bin der Meinung, dass die Gegenseitigkeitsversicherer über die genannten Interessenvertretungen ihren Einfluss durchaus geltend machen und Gehör finden.

VWheute: Wie können sich Gegenseitigkeitsversicherer auch in Zukunft nachhaltig am Markt behaupten angesichts kommender Herausforderungen durch Insuretechs, Blockchain und Robo-Adivsors?

Uwe Laue: Ich glaube, dass die Frage, ob und wie sich Gegenseitigkeitsversicherer auch in Zukunft behaupten können, nicht in erster Linie darüber beantwortet wird, wie sie sich gegenüber Fintechs etc. positionieren. Die Digitalisierung und die damit zusammenhängenden Herausforderungen sind grundsätzlich rechtsformunabhängig. Da muss jeder Versicherer Strategien entwerfen und Lösungen finden, die zu ihm passen.
Ich bin davon überzeugt, dass der persönliche Kontakt zum Kunden gerade für Gegenseitigkeitsversicherer weiterhin von großer Bedeutung ist. Das Mitglied hat ein Recht darauf, „seinen“ Debeka-Vertreter persönlich kennenzulernen und von ihm betreut zu werden – wenn er es will. Die Digitalisierung mit ihren Möglichkeiten in der Multi-Kanal-Kommunikation kann hier sinnvoll unterstützen, die persönliche Kommunikation aber nicht ersetzen, zumindest nicht bei beratungsintensiven Produkten, wie der privaten Krankenversicherung oder der privaten bzw. betrieblichen Altersversorgung.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Uwe Laue, Vorstandsvorsitzender der Debeka (Quelle: Debeka)

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