Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

“Wir erwarten langfristig den Niedergang der Courtage”

22.12.2014 – PradettoOliver Pradetto, Geschäftsführer von blaudirekt nimmt kein Blatt vor den Mund: Er erwartet einen langfristigen Niedergang der Makler-Courtage, will keine Lanze über der Württembergischen brechen und erinnert daran, dass die Lebensversicherung der Vorsorge dient und keine Kapitalanlage ist. Im Exklusiv-Interview mit VWheute kommentiert Pradetto aktuelle Entwicklungen für die Maklerbranche.

Oliver Pradetto: Jeder Versicherer positioniert sich im Markt mit einem Mix aus Produktattraktivität und Vergütungsregelungen. Als Pool sind wir Dienstleister des Maklers. Ob die Vermittlung eines Produkts attraktiv ist, entscheidet allein der Makler. Wir sind daher sehr gelassen, was die Vielfalt neuer Vergütungsstrukturen angeht. Langfristig wird sich zeigen, ob eine Beschneidung der Vergütung die Attraktivität eines Produkts nachhaltig begünstigt und den Kunden wirklich besser stellt. Die Frage ist doch, ob die Kürzung beim Kunden ankommt oder lediglich dem Makler weggenommen wird. Dies ist für Makler der entscheidende Faktor.

Welchen Markttrend erwarten Sie bei diesem Thema?

Wir erwarten langfristig einen Niedergang der Courtage über die nächsten zwei Jahre. Im Laufe des Jahres 2015 wird es nur zu ersten Kürzungen kommen. Wenn die neuen Prognosen draußen sind, wird nachreguliert. Mittelfristig muss der Makler mit einer Reduzierung auf rund 35 Promille im Abschlussbereich und mit längeren Haftungszeiten rechnen. Die Konsolidierung im Maklermarkt beschleunigt sich dadurch erheblich. Die Fitten verändern sich und prosperieren, die anderen jammern bis sie eingehen. So war es schon immer.

Glauben Sie, dass Versicherer wie die Württembergische sich mit ihren drastischen Maßnahmen vom Maklermarkt verabschieden wollen, wie Makler vermuten?

Die Württembergische hat doch gar kein Bein im Maklermarkt. Die Umsätze sind bescheiden. Aus Sicht des Versicherers ist es da doch sinnvoll, nun nicht unnötig Geld zu verplempern um dann doch zweiter Sieger zu sein. Dann lieber versuchen, das Geld beisammen zu halten und eventuell die Produktattraktivität zu heben. Langfristig kann dies wieder einen Weg zurück zu den Maklern darstellen. Es birgt aber auch die Gefahr, dass das Produkt mangels Neugeschäft ganz absäuft. Ich warne davor, die Lanze über einem Versicherer zu brechen, weil er sich für eine uns unangenehme Strategie entscheidet.

Makler sind zurzeit auf einer Reihe von Schauplätzen stark gefordert. Dazu zählen verschärfte regulatorische Maßnahmen, das LVRG, Maßnahmen zur Provisionskürzung und Diskussionen über ein Verbot von Provisionen. Sind Makler “die Prügelknaben der Nation”?

Was uns bisher geholfen hat, war der emotionale Zugang zum Kunden. Dieser verliert angesichts der Selbstbedienungsmentalität in einer technisierten Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Schlimmer noch: Neue Technologien erlauben auch die Multiplikation von emotionaler Bindung, so wie Maschinen menschliche Handarbeit multiplizieren konnten. Die Makler kriegen nur den ersten Schlag ab. Wir haben selbst dafür gesorgt, indem wir gegenseitig aufeinander rumhacken. Wer das Image seines Berufes nicht selbst verteidigt, ist ein leichtes Opfer für Regulierung. Wie können wir von Politik und Verbraucherschutz erwarten, dass diese uns schützen, wenn wir uns gegenseitig selbst zu Kundenfeinden erklären? (siehe IM BLICK)

Das Interview führte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Bild: Oliver Pradetto, Geschäftsführer von blau direkt (Quelle: blau direkt)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten