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Wie ausreichend ist das Alterseinkommen?

01.07.2015 – Von Renate Finke, Senior Economist, Allianz International Pensions.

In den letzten 15 bis 20 Jahren haben weltweit viele Länder ihre Rentensysteme auf den Prüfstand gestellt. Angesichts der Alterung in fast allen Ländern und deren Auswirkungen auf die Finanzierbarkeit öffentlicher Vorsorgesysteme sind etliche parametrische Reformen innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherungssysteme angestoßen worden. Eine neue Allianz-Studie setzt jetzt die Nachhaltigkeit der einzelnen Rentensysteme zur Angemessenheit der Alterseinkommenshöhe ins Verhältnis. Deutschland schneidet dabei im Ländervergleich nur mittelmäßig ab.

Die meisten Reformmaßnahmen – späterer Renteneintritt, höhere Beiträge, geringere Bezüge aus der gesetzlichen Rentenversicherung – haben geholfen, die langfristige Finanzierbarkeit der staatlichen Altersvorsorge weitgehend zu stabilisieren. Damit einher ging indes auch eine Verringerung des Rentenniveaus. In Zukunft wird sich das Alterseinkommen aus mehreren Quellen speisen müssen und es stellt sich die Frage, ob die künftigen Alterseinkommen auch angemessen sind. Waren die Maßnahmen in der zweiten und dritten Säule der Altersvorsorge entsprechend ausreichend oder laufen künftige Rentner Gefahr, in die Armut abzurutschen?

Wie auch schon beim Pension Sustainability Index (PSI), mit dem das Allianz International Pensions-Team den Reformdruck auf die gesetzlichen Rentensysteme untersucht,  war das Ziel der aktuellen Studie, einen Ländervergleich vornehmen zu können. Zu diesem Zweck wurde der Retirement Income Adequacy (RIA) Indikator entwickelt. Dieser geht über die Betrachtung des Rentenniveaus aus der gesetzlichen Rentenversicherung hinaus und schließt weitere Einkommensquellen, die Rentnern im Alter zur Verfügung stehen können, mit ein. Der neue RIA-Indikator untersucht zudem Faktoren, die nicht direkt dem Rentensystem zugeordnet werden können, die die finanzielle Situation eines Haushalts aber stark beeinflussen können. Dazu gehört auch ein Blick auf Ausgabekategorien, wie Gesundheitsausgaben, Immobilienbesitz oder Vermögen, das nicht direkt für die Altersvorsorge angespart wurde.

Erstellt wurde eine Rangliste mit 49 Ländern, entsprechend ihres Potenzials, ein angemessenes Alterseinkommen zu ermöglichen. Im Gesamtvergleich führen solche Länder die RIA-Rangliste an, die ein Altersvorsorgesystem mit weitentwickelten kapitalgedeckten Bausteinen und einer über die Armutsgrenze hinausgehenden ersten Säule haben. Die Niederlande liegen hier klar vor einer eng beieinander liegenden Gruppe, zu der Dänemark, Norwegen, die Schweiz, Japan, die USA und Österreich gehören. Deutschland liegt in dieser Rangliste auf einem guten Platz 13. Die Verbreitung der gesetzlichen Rente und das durchschnittliche Rentenniveau sind im Vergleich zu vielen anderen Ländern noch immer besser, ebenso trägt das Krankenversicherungssystem dazu bei, dass Rentner größeren finanziellen Spielraum behalten. Eher negativ schlägt zu Buche, dass zusätzliches Geldvermögen und Immobilienbesitz niedriger sind als in den meisten untersuchten anderen Ländern.

Ländervergleich PSI und RIA
(Klicken zum Vergrößern) Ländervergleich PSI und RIA – Pensions Sustainability Index (PSI) versus Retirement Income Adequacy (RIA) Indikator – Balanceakt zwischen Nachhaltigkeit und adäquatem Alterseinkommen.

Verteilt man die Länder, die im PSI detaillierter eingestuft wurden, hier auf nur drei Gruppen – von weitgehend bis nicht nachhaltig finanziert – und ordnet die Länder nach dem entsprechenden RIA-Subindikator, zeichnet sich folgendes Bild ab: Neuseeland, Niederlande, Norwegen und Finnland sind die Länder, die es offenbar am besten schaffen, ihr Altersvorsorgesystem sowohl finanziell nachhaltig zu gestalten, als auch ergänzende Bausteine bereitzustellen. Sie ermöglichen es, für die Mehrzahl der Älteren ein angemessenes Einkommen im Alter zu erreichen und zwar mit einer guten Mischung aus unterschiedlichen Einkommensquellen.

Nach diesen Beurteilungsfaktoren kann das Altersvorsorgesystem in Deutschland zu der Gruppe gezählt werden, die ein nur mittelmäßig nachhaltig finanziertes System hat aber noch ein angemessenes Alterseinkommen liefern kann. Da die Alterung in Deutschland jedoch bereits weit fortgeschritten ist und sich das Verhältnis von Rentnern zu Erwerbstätigen in den nächsten Jahren weiter verschlechtern wird, dürften Reformüberlegungen wieder auf die politische Agenda kommen. Dann muss auf jeden Fall an den begleitenden Faktoren gearbeitet werden; dabei bietet es sich an, die betrieblichen und privaten Altersvorsorgepläne besser den neuen Bedingungen anzupassen und besser aufeinander abzustimmen sowie die Teilnahme der Älteren am Erwerbsleben zu unterstützen; ein ganzheitlicher, inte­grierter Ansatz ist notwendig.
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Ausführlicher Gastbeitrag: Schwieriger Balanceakt Rentensysteme zwischen finanzieller Nachhaltigkeit und adäquatem Alterseinkommen, in VW 7/15 (Einzelbeitrag, 3,81)

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