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Wenn Garantien verwehen

18.09.2013 – „Schuld an den neuen Garantien sind die Kunden“

Zwischenruf von Reinhold Müller, VV-Korrespondent München

Immerhin, so viel scheint klar, nachdem die neuen flexibilisierten Konzept für die Lebensversicherung auf den Markt gekommen sind: Die Schuldigen dafür, dass es mit lebenslangen Garantien in der bisherigen Form für die Zukunft schwierig geworden ist, sind eigentlich die Kunden.

Die pilotierenden Versicherer berufen sich nämlich auf umfangreiche Marktforschungen im Vorfeld ihrer Produktneuentwicklungen. Und die hätten nun mal ergeben, dass die Deutschen zwar durchaus in hohem Maße auf Sicherheit setzten, dafür jedoch nicht bereit seien, angemessene Konditionen zu akzeptieren. Vielmehr ließen sie sich bei ihren Lebensversicherungs-Policen unverhältnismäßig vom Renditewettlauf leiten.

Banker sehen sich mit diesem Problem schwerlich unter einen Hut zu bekommender Kapitalanlage-Ziele ihrer Kunden seit eh und je massiv konfrontiert. Ein besonders erfolgreiches Produkt-Angebot zur Lösung dieses unendlichen Konflikts ist ihnen – selbst bei sehr freundlicher Betrachtungsweise – bisher jedoch nicht eingefallen. Nun versuchen es offenbar die Versicherer.

Dabei haben sie ein grundsätzlich anderes Geschäftsmodell als Banker. Schließlich geht es bei ihnen zunächst einmal um die Bildung von Kollektiven, um das Gesetz der großen Zahl nutzen zu können. Außerdem haben sie dank der langen Vertragslaufzeiten speziell in der Lebensversicherung anders als Banker systembedingt in der Regel den „Faktor Zeit“ als Verbündeten, um ihre Kundenversprechen einlösen zu können.

Vom Prinzip her hätten die Anbieter von Kapitallebens- und Rentenversicherungen langfristig immer noch die Chance, sich geschickt und letztlich halbwegs erfolgreich durch das Auf und Ab der diversen Kapitalmärkte zu lavieren. Auch Zinstäler haben einmal ein Ende.

Mehr unter Druck bringen die Branche allerdings gesellschaftliche Trends wie das Denken in immer kürzeren Zeitabschnitten und die zunehmende Individualisierung des Lebenstaktes. Die Besonderheiten eines Kollektivsystems scheinen den Kunden – aber auch der Politik und selbst der Versicherungsaufsicht –   auch noch immer nicht so recht geläufig. Die Gesetzgebung der vergangenen Jahre jedenfalls „schädigt den Kollektivgedanken“, wurde bei der Vorstellung der neuen Lebensversicherungs-Garantien der Ergo angemerkt.

Als Reaktion auf all dies haben offenbar nervös gewordene Vorstände die Produktentwickler, Aktuare und Juristen in ihren Konzernen nun neue Garantieversprechen zaubern lassen, die Lebens- und Rentenversicherungsprodukte gleich in vielerlei Hinsicht flexibler machen. Zugleich werden sie allerdings noch weit erklärungsbedürftiger als bisher schon. Das dürfte als erstes der Vertrieb zu spüren bekommen.

Längerfristig könnten allerdings durchaus auch die Kunden zu der Erkenntnis kommen, dass insbesondere das Mehr an Rendite-Chancen – verbunden mit einem Mehr an Risiko-„Eigenbehalt“ – vielleicht doch nicht so ganz das ist, was sie wirklich wollen. Für die Branche insgesamt dürfte damit zwar das Risiko gesunken sein, ein Problem mit der Einhaltung ihrer Garantie-Versprechen zu bekommen, aber die Reputation  der Branchenseele namens Garantie verweht.

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