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Wechselkursbindung hat Wirkung erzielt

19.01.2015 – HankeDie Schweizerische Nationalbank (SNB) hat mit ihrer Mindestkurs-Politik in Bezug auf den Wechselkurs Euro-Schweizer Franken tatsächlich Wirkung erzielt. Bei einer Nichtregulierung wäre der Euro weiter abgetaucht. Zu diesem Schluss kommt eine wissenschaftliche Studie, an der unter anderen die Uni Liechtenstein beteiligt war.

Um die Frage nach der Entwicklung von Euro und Franken ohne Intervention der SNB beantworten zu können, verwendeten die Experten für ihre Studie ein Modell aus dem Bereich der Optionsbewertung, mit dem unter anderem der latente, das heißt unbeobachtbare Wechselkurs geschätzt wurde, der ohne die Mindestkurspolitik der SNB vorherrschen würde. Dabei wurde indirekt auch die Markteinschätzung hinsichtlich der erwarteten Dauer dieser Maßnahme als Faktor miteinbezogen und aus beobachtbaren Marktdaten ermittelt.

Zunächst einmal zeigte sich, dass der latente Wechselkurs im Vergleich zum tatsächlich beobachteten Wechselkurs nach dem SNB-Entscheid zwar ebenfalls angestiegen, Ende 2011 jedoch bis auf 1.10 Franken gefallen wäre. Im Jahr 2012 wäre der Wechselkurs ohne die SNB-Intervention zwischen 1.05 Franken und 1.10 Franken gelegen, also ständig unter der Grenze von 1.20 Franken. 2013 war ein leichter Aufwärtstrend zu verzeichnen, bis hinauf auf 1.15 Franken. Auf diesem Niveau hätte sich der Wechselkurs dann im zweiten Halbjahr 2013 stabilisiert.

“Ohne die Intervention der SNB wäre das Jahr 2012 für viele exportorientierte Unternehmen noch viel schwieriger geworden, als es ohnehin war”, bringt Professor Michael Hanke von der Universität Liechtenstein, einer der drei Verfasser der Studie, die Entwicklung für die Schweizer Sicht der Dinge auf einen Nenner.

Wie die Studie weiter ergab, veränderte sich die Markteinschätzung hinsichtlich der erwarteten Dauer der SNB-Mindestkurspolitik im Untersuchungszeitraum merklich. Lag die erwartete Restlaufzeit der SNB-Intervention im November 2011 noch bei fünf Monaten, stieg diese Ende 2013 bereits auf neun Monate an. Dies spiegelt das zunehmende Vertrauen des Marktes in das Engagement der SNB wider.

Franken

Grafik: Der Euro-CHF-Wechselkurs mit und ohne (gestrichelte Linie) Regulierung durch die SNB. (Quelle: Uni Liechtenstein)

Die negativen Entwicklungen in Griechenland und Italien Ende 2011, gefolgt von der Zurückstufung des Ratings von neun Euro-Ländern durch die Ratingagentur Standard & Poor’s und das damit zum Ausdruck gebrachte fehlende Vertrauen der Finanzmärkte in die Lösungskompetenz der europäischen Institutionen drückte den Wechselkurs gegen die Untergrenze von 1,20, von wo er sich im 2. und 3. Quartal 2012 kaum wegbewegte. In ähnlicher Weise wurde der Wechselkurs Euro-Franken laut Studie im gesamten Untersuchungszeitraum vorwiegend von den Geschehnissen im Euroraum beeinflusst und getrieben.

“Das Ende des Mindestkurses in einer Phase, als dieser wiederholt vom Markt getestet wurde, deutet klar darauf hin, dass diese Aufhebung von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) nicht geplant war”, erklärt Michael Hanke nun die aktuellen Entwicklungen: “Für einen geordneten Ausstieg, der die Märkte deutlich weniger in Aufruhr versetzt hätte, wäre bei Wechselkursen von 1,22 und höher mehr als genug Gelegenheit gewesen. Die von manchen favorisierte Koppelung des Franken an einen Währungskorb statt nur an den Euro hat in der Theorie Vorteile, wäre aber vermutlich deutlich schwieriger zu kommunizieren.” (vwh/ku)

Bild: Professor Dr. Michael Hanke von der Universität Liechtenstein. (Quelle: Uni Liechtenstein)

Link: Where Would the EUR/CHF Exchange Rate Be Without the SNB’s Minimum Exchange Rate Policy? (Studie)

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