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Wachstum durch Fusionen

17.07.2015 – Fusion Puzzle by_RainerSturm_pixelio.deVersicherer Ace kauft Rivalen Chubb, Krankenversicherer Aetna schluckt den Mitbewerber Humana. Doch nicht nur auf dem US-Markt schreitet die Branchenkonsolidierung voran. Niedriges Zinsumfeld, überschüssiges Kapital und die Einführung von Solvency II sind die Triebkräfte von M&A-Deals auf dem deutschen Versicherungsmarkt.

M&A gelten laut einer Deloitte-Studie derzeit als Hauptwachstumsmotor der US-Versicherungsbranche. Auch Investmentlegende Warren Buffett mischt mit. Berkshire’s Medical Protective Group verkündete letzte Woche die Übernahme des Haftpflichtversicherers Plico. Bei den europäischen Versicherern wird die M&A-Dynamik aller Voraussicht nach 2015 ebenfalls wieder ansteigen. Zu dieser Prognose kommen die Versicherungsanalysten von Fitch Ratings und die Ökonomen von Swiss Re.

Deutsche Marktteilnehmer sind von diesem Trend nicht ausgeschlossen, wie MLP mit dem Erwerb der Domcura-Gruppe jüngst zeigte (siehe MLP-Vorstandsmitglied Manfred Bauer im Gespräch mit VWheute). Auf dem deutschen Versicherungsmarkt lassen sich drei Formen von strategischen Unternehmensmovements identifizieren: Sie bewegen sich auf den Ebenen des Erwerbs von Unternehmensanteilen nationaler oder internationaler Versicherer, der Übernahme deutscher Firmen durch ausländische Marktteilnehmer und der Verschmelzung zweier Sparten innerhalb eines Versicherungskonzerns.

Die erste M&A-Form erfolgt am Standort D mit einer hohen Schlagzahl. Die Axa sicherte sich 2014 die Bestände der DBV Leben und Darag sammelte kleinere Run-Off-Portfolios der Hanseatica sowie der Württembergischen und HDI-Gerling. Indes scheuen deutsche Versicherer auch nicht vor grenzüberschreitenden Aktivitäten zurück. Für 684 Mio. Euro schluckte die Allianz vor zwei Jahren den türkischen Schaden- und Unfallversicherer Yapi Kredi Sigorta. Talanx erwarb die chilenische Versicherungsgruppe Inversiones Magallanes und Ergo will mit der geplanten Übernahme von ATE Insurance größter Schaden/-Unfall-Versicherer in Griechenland werden.

Das Geld für solche Transaktionen ist reichlich vorhanden – vor allem bei Rückversicherern. Aus Furcht vor unerwarteten Synergiekosten wird überschüssiges Kapital allerdings bevorzugt an die Anteilseigener durch Aktienrückkäufe zurückgegeben oder in Form einer Sonderdividende ausgeschüttet. Andere Marktteilnehmer wagen trotzdem diesen Schritt, zumal niedrige Zinsen und eine gute Konjunktur ein ideales Umfeld für M&As liefern. Auf der anderen Seite haben Versicherer aufgrund des fehlenden organischem Wachstum keine wirkliche Alternative und tätigen Auslandskäufe aus Mangel an Kaufobjekten auf dem Heimatmarkt.

Auffällig bei der zweiten M&A-Form, der deutschen Desinvestitionen, ist die zunehmende Mitwirkung von Private-Equity-Gesellschaften. Hervorzuheben sind die Eigentümerwechsel beim Spezialversicherer Darag (Augur Financial Opportunity SICAV reichte seine 2009 gekauften Anteile vor einem Jahr an die Fondsgesellschaft Keyhaven Capitals Partners weiter) oder der Kauf der Heidelberger Leben durch Hannover Rück und den britischen Investor Cinven.

Unter den internen Zusammenschlüssen von Versicherungssparten stechen besonders Lebensversicherer sowie Pensionskassen ins Auge. Unter anderem führte 2014 der Gothaer-Konzern seine beiden Lebensversicherer Asstel und Gothaer zusammen, ebenso lies die Concordia Gruppe ihre beiden Töchter Concordia Leben und Oeco Capital fusionieren. Die Optima Pensionskasse ist auf die R+V Pensionskasse AG verschmolzen worden und D.A.S. auf die ERGO Versicherung AG.

Diese Maßnahmen sind vor allem der Hoffnung auf Synergieeffekte und Solvency II geschuldet, erklären führende deutsche Versicherer auf Anfrage von VWheute. Letzteres hat zur Folge, dass Unternehmen Diversifikationen in allen Risikoarten vorantreiben. Diese zu implementieren, ist vor dem Hintergrund der Niedrigzinsen überwiegend für kleinere Anbieter teuer, wie Professor Meinrad Dreher im VWheute-Interview erläutert.

Vor der Finanzkrise 2007 zählte die Bafin noch 100 Lebensversicherer, heute beaufsichtigt sie 86 Institute. “Die höheren Risikokapital-Anforderungen insbesondere für Aktien oder Infrastruktur-Investitionen bedeuten, dass es schwieriger wird, verstärkt in alternative Anlageformen zu investieren, was insbesondere in der derzeitigen Niedrigzinsphase für unsere Kunden von Vorteil wäre”, erläutert eine Allianz-Sprecherin gegenüber VWheute. (dg)

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de

bestellen_vwh Lesen Sie den vollständigen Artikel “Wachstum durch Fusionen” in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft 07/15 (Einzelbeitrag 3,81 Euro)

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