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Von Schwarzen Schwänen und Blackouts

27.06.2014 – blackout_grafik_xl_150Von Roland Brandt, Underwriting Manager Property Germany und Head of Underwriting Management, International Property, XL Group.

Dem Black Swan-Bestseller-Autor Nassim Taleb zufolge steht der Schwarze Schwan für ein höchst unwahrscheinliches Ereignis mit massiven Auswirkungen, zum Beispiel für einen flächendeckenden Stromausfall, der das gesamte öffentliche Leben über Wochen und Monate lahmlegt. Ist das realistisch? Und wenn ja, wie können wir uns dagegen schützen?

„In die Jahre gekommen“ – das beschreibt den demographischen Wandel in vielen Ländern. Aber es trifft auch auf die Infrastruktur vieler europäischer Länder zu, einschließlich jener von Deutschland. Das behauptet zumindest ein Bericht der European Innovation Partnership on Smart Cities and Communities (EIP-SCC), demzufolge „besonders alte Versorgungsbetriebe, überlastete Straßen und anfällige Schienennetze eine Gefahr darstellen, verschärft durch die chronischen Haushaltsprobleme der öffentlichen Hand.”

Wenn es in Deutschland irgendwas gibt, was noch dringender saniert werden müsste als die Autobahnen, dann ist es das Stromnetz. Das deutsche Stromnetz, vorwiegend Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden, ist den Anforderungen einer digitalen Gesellschaft kaum mehr gewachsen. Es wurde gebaut, um den Strom aus großen, zentralen konventionellen Kraftwerken oder Atomkraftwerken in die Fläche zu verteilen. Es gab Nachfragespitzen, zu denen die Kraftwerke hochgefahren wurden. In der digitalen Wirtschaft ist der Strombedarf kontinuierlich hoch. Die deutsche Energiewende trägt für viele Beobachter auch ihren Teil zur Instabilität bei. Denn Wind- und Sonnenenergie werden dezentral erzeugt und können nicht vom Bedarf gesteuert werden. Dazu kommen Sonnenstürme, Hacker-Angriffe und Naturkatastrophen, die die Stromnetze bedrohen. Die Unwahrscheinlichkeit eines Black-Swan-Ereignisses, sprich eines landesweiten Stromausfalls über Wochen hinweg, nimmt ab, das heißt, es wird wahrscheinlicher und macht den Behörden zunehmend Sorge.

Die USA, Schweiz und Großbritannien haben jeweils eine spezielle Task Force, um Schwachstellen im Stromnetz ausfindig zu machen und Notfallmaßnahmen zu entwickeln. Die USA haben den Notfall 2013 geprobt, die Schweiz plant es für November 2014: Behörden, Rettungsdienste, Krankenhäuser sitzen an einem Tisch, um Notfallpläne für einen Totalausfall zu entwickeln. Kommunikation, Wasser- und Lebensmittelversorgung, Abwassersysteme, sind lebensnotwendig und hängen alle von der Stromversorgung ab. Ohne Internetzugang sind die meisten Menschen von Informationen über einen Notfall und entsprechende Maßnahmen abgeschnitten. Mit der Task Force will man sich so gut als möglich auf den Ernstfall vorbereiten.

Was können nun Versicherungen tun, um das unternehmerische Risiko, das von einem Blackout ausgeht, zu mindern? Bevor überhaupt ein Versicherungsvertrag abgeschlossen wird, schlägt bei Qualitätsversicherern die Stunde der Risiko-Ingenieure. Diese Fachleute arbeiten zusammen mit den zu versichernden Unternehmen daran, vor Ort mögliche Stromausfall-Risiken an den Tag zu bringen – so klären sie etwa, ob die Transformatoren adäquat geschützt sind und im Notfall ein rascher Austausch von defekten Teilen garantiert werden kann. In einem weiteren Schritt geht es darum, ein adäquates Risiko-Management zu installieren und im Ernstfall möglichen Schaden zu minimieren oder gar auszuschließen.

Schließlich bleibt aber die Frage: Welchen konkreten Schutz kann ein Versicherer anbieten, welche Versicherungsprodukte sind betroffen? Es leuchtet ein, dass ein flächendeckender Stromausfall kaum vollumfänglich versichert werden kann. Eine Elektronikversicherung wird die finanziellen Folgen von Datenverlust, defekten Kommunikationsgeräten oder den Schaden an der Büroelektronik mindern. Eine Sachversicherung beispielsweise wird aber solche Schäden nur dann decken, wenn der Stromausfall durch einen vorhergehenden Sachschaden wie z.B. eine Naturkatastrophe verursacht worden ist. Und auch dann wird der Schaden nur bis zum vertraglich vereinbarten Limit als Teil der Standard-Sachversicherung gedeckt. Wenn man die unzähligen potenziellen Ursachen und die harten finanziellen Konsequenzen in Betracht zieht, die ein Langzeit-Blackout mit sich bringen kann, kann man sagen, dass Unternehmen hierzulande gut beraten sind, Alternativen zum Status quo zu evaluieren.

Die Bedrohung durch einen Black-Swan-Blackout jedenfalls mag die Wahrscheinlichkeit einer anderen, revolutionären Entwicklung erhöhen, in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt: die Entstehung einer unabhängigen, dezentralen Versorgung mit Primärenergie.

Den gesamten Artikel “Der Schwarze Schwan und das Risiko eines Blackouts” lesen Sie auf dem XL-Portal FastForward.

Link: MÄRKTE

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