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Vom schiefen Bild der drei Säulen in der Altersvorsorge

02.12.2014 – brsVon VW-heute Berlin-Korrespondent Manfred Brüss. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hat zwei seiner Vierteljahreshefte einer Lagebeschreibung der gesetzlichen Rente sowie der privaten und betrieblichen Altersvorsorge gewidmet. Dabei werden in insgesamt 18 Beiträgen mögliche Fehlentwicklungen und alternative Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt.

DIW-Wissenschaftlerin Kornelia Hagen wies vor der Presse in Berlin darauf hin, dass alle Autoren für den Inhalt eigenverantwortlich seien und dass das DIW im Wesentlichen als Moderator in Erscheinung trete. So stellen hier Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen oder die SPD ihre Positionen ebenso dar wie etwa der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der eine Abschaffung der Riester-Rente ebenso eine Absage erteilt wie einem staatlichen Altersvorsorgeprodukt in Konkurrenz zur Privatwirtschaft.

DIW-Vorstand Gert G. Wagner stellte in seinem Nachwort das Bild des drei Säulen-Modells in der Altersvorsorge in Frage. Tatsächlich gebe es mit der gesetzlichen Rentenversicherung ja nur eine tragende Säule; daneben gebe es allenfalls zwei Stützpfeiler, die betriebliche und private Altersvorsorge. „Und viele Menschen haben nur eine kleine Stütze, etliche gar keine“, schreibt Wagner.

Nun gibt es Strömungen, die die gesetzliche Rentenversicherung wieder so herstellen wollen, dass sie wirklich Lebensstandard sichernd wirkt. Die Linke verfolgt etwa dieses Ziel, wobei die gesetzliche Rente durch die Abwicklung der Riester-Förderung zusätzlich gestärkt werden soll. Eine solche Option sei allerdings auf absehbare Zeit unrealistisch, erklärt Wagner. Und man müsse sehen, dass ein nur auf eine Säule aufbauendes Rentenmodell auch sein Schwächen habe. Denn hier werde gewissermaßen alles auf eine Karte gesetzt. „In einer unsicheren Welt ist es grundsätzlich vernünftig, Zukunftsvorsorge in diversifizierter Weise zu betreiben.“ Dies spreche eben für den Aufbau ergänzender Vorsorgesysteme. Dass diese ergänzende Vorsorge bis heute nicht ausreichend weit entwickelt ist, liegt nach Einschätzung von Wagner im Wesentlichen an zwei Faktoren: Die „Gegenwartspräferenz“ der Menschen lässt sie ihren zukünftigen Einkommensbedarf unterschätzen und vielen Menschen fällt es auch finanziell schwer, Geld für das Alter zurückzulegen.

In der Konsequenz könnte die betriebliche Altersvorsorge an Bedeutung gewinnen, über die dem Einzelnen eine Entscheidung zur Zukunftsvorsorge abgenommen werden könnte. Die strengste Form wäre eine gesetzliche Vorsorgepflicht, um die Lücke die die gesetzliche Rentenversicherung heute entstehen lässt, möglichst weitgehend zu schließen. Wenn man aber nicht den Weg einer völligen Abkehr von der Freiwilligkeit betrieblicher und privater Vorsorge gehen wolle, dann böten sich Opting-Out-Klauseln an. Eine ausdrückliche Erklärung, an der Altersvorsorge nicht teilnehmen zu wollen, wäre eine Stufe unterhalb der gesetzlichen Vorsorgepflicht. Die betriebliche Altersvorsorge wäre zudem ein sehr gutes Instrument, um den auch politisch gewünschten flexiblen Übergang in den Ruhestand zu verbessern. Und auf Branchenebene könnten hier tarifvertragliche Regelungen greifen.

„Von den Sozialpartnern, also den Tarifpartnern, getragene betriebliche Vorsorgesysteme können gerade auch Kleinbetrieben preiswerte und maßgeschneiderte betriebliche Lösungen (an)bieten“, schreibt Wagner weiter. Er hoffe, dass diese auch in der Bundesregierung angestellten Überlegungen möglichst bald von allen Beteiligten offen diskutiert werden könnten.

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