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VKB-Chef Walthes: „Wir müssen uns an die eigene Nase fassen“

14.10.2014 – Bayerischer_Finanzgipfel-Walthes-VKB_2014.10.13-01_rem_150Auch Frank Walthes, Chef der Versicherungskammer Bayern, setzte sich beim Bayerischen Finanzgipfel mit der Suche nach „Wegen aus der Reputationskrise“ auseinander. Im Interview mit VWheute fordert er noch mehr Eigenanstrengungen der Branche auf unterschiedlichen Feldern, aber nicht noch mehr Initiativen.

VWheute: Der Bayerische Finanzgipfel 2014 steht unter dem Motto “Wege aus der Reputationskrise”.  Der ramponierte Ruf beschäftigt die vormals hoch angesehene gesamte Finanzdienstleistungsbranche inzwischen allerorten, und das nun schon seit geraumer Zeit. Wie erklären Sie sich, dass es – nicht zuletzt für die Assekuranz – überhaupt zu diesem Problem gekommen ist?

Walthes: Es ist richtig, dass der Ruf der Finanzdienstleistungsbranche in der Öffentlichkeit nicht so gut ist, wie wir das gerne hätten. Allerdings bin ich auch der Ansicht, dass die Versicherungswirtschaft in vielen Dimensionen besser ist als ihr Ruf und wir es in der Vergangenheit nicht ausreichend geschafft haben, unsere Leistungsstärke und Relevanz transparent zu machen. Hier müssen wir uns an die eigene Nase fassen. Allerdings wird dieser Ruf auch durch exogene Faktoren bestimmt, die wir nicht selbst zu verantworten haben. Dazu zählen Schwankungen am Kapitalmarkt genauso wie die Vielzahl der Regulierungsthemen. Sie binden Ressourcen, die wir an der Schnittstelle zum Kunden und Vertriebspartner dringend bräuchten, da wir für unsere Kunden ja stetig besser werden wollen. Sicher hat die Versicherungsbranche in der Vergangenheit auch Fehler gemacht und es hier und da an Transparenz mangeln lassen. Aber wir haben daraus gelernt und einige Dinge bereits erfolgreich angepackt. Dass unsere Aktionen bei unseren Kunden noch nicht die gewünschte Wirkung erzielt haben, zeigt mir, dass wir in unserer Informationspolitik besser werden müssen.

Am für Laien schwer verständlichen Geschäftsmodell lässt sich grundsätzlich wohl kaum etwas verändern. Welche “Stellschrauben” bleiben der Branche dann noch?


Ich halte es für unerlässlich, dass wir die hohen Leistungen, die wir für unsere Kunden erbringen, transparenter und damit auch deutlich machen, dass wir wesentlich zur individuellen Stabilität beitragen. Zudem müssen wir dafür sorgen, dass unsere Mitarbeiter, im Innen- wie im Außendienst, stetig an ihrer Kompetenz arbeiten, sprich, wir müssen ihnen adäquate Weiterbildungen ermöglichen, damit sie die sich verändernden Rahmenbedingungen kennen und ihren Kunden verständlich vermitteln können. Und nicht zuletzt halte ich es für unabdingbar, dass sich die gesamte Branche die Tugenden des ehrbaren Kaufmanns ständig ins Bewusstsein ruft und ihr Handeln daran überprüft.

Reichen die in den vergangenen Jahren ins Leben gerufenen Initiativen, die ja hauptsächlich auf den Vertrieb zielen, alleine wirklich aus? Das “Nahbild” des Versicherungsvertreters ist bei den Kunden, wenn man Umfragen glauben darf, ja offensichtlich recht gut – und das Branchen-Image das eigentliche Problem.

Das ist wirklich schwer zu verstehen und an sich ein Widerspruch, da die Versicherungsvertreter, also die Verkäufer und Berater, ja die Unternehmen repräsentieren. In der Tat bestätigen die meisten Menschen in Umfragen, dass sie mit ihrem Versicherungsvertreter noch nie schlechte Erfahrungen gemacht haben. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass die ins Leben gerufenen Initiativen ausreichen. Sie helfen uns negatives Verhalten auszugrenzen, aber sie schreiben auch etwas fest, was an sich selbstverständlich für alle sein sollte. Um unseren Ruf zu verbessern, müssen wir meines Erachtens an mehreren Stellschrauben drehen. Wesentlich dabei ist für mich der Austausch mit der Politik, damit wir aufzeigen, dass die zunehmenden Regularien nicht in allen Punkten für unsere Kunden oder die Versicherungsunternehmen von Vorteil sind. Und wie Sie richtig sagen, die meisten Initiativen der letzten Jahre zielten auf den Vertrieb. Genauso wichtig ist es, unsere Unternehmen so auszurichten, dass wir die Erwartungen der Kunden an schnelle Informationen und einen guten Service erfüllen. Stichwort: Digitalisierung. Und letztlich müssen wir konsequent offen und verständlich gegenüber allen Anspruchsgruppen kommunizieren. Für all’ das brauchen wir keine weiteren Initiativen.

Das Interview führte VWheute-Korrespondent Reinhold Müller, München.

Bild: Frank Walthes, Chef der Versicherungskammer Bayern. (Quelle: rem)

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